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So

22

Jan

2017

Achtung: Fakenews zu Vielzitzenmäusen im Umlauf!

Ach herrje, was muss ich da lesen?! Da lass ich mich doch vor Schreck gleich "aus größerer Höhe einfach fallen"!
Ach herrje, was muss ich da lesen?! Da lass ich mich doch vor Schreck gleich "aus größerer Höhe einfach fallen"!

Aus aktuellem Anlass verschlägt es mich hiermit doch nochmal in meinen eigenen Blog, nach nun mehreren Jahren wie ich beschämt feststellen muss.

Und dieser Anlass ist dass in einem großen, unter Anfängern beliebten Mäuseforum nun nicht mehr nur wie "gewohnt" teils fatalste Falschinformationen über Vielzitzenmäuse verbreitet werden, sondern diese bisweilen auch damit untermauert werden, "sogar" ich (die ich unter MäusehalterInnen nämlich als VZM-Expertin gelte) würde dieses und jenes inzwischen auch so sehen.

Mich hiermit in Diplomatie versuchend, gehe ich natürlich davon aus dass es sich nur um ein Missverständnis handeln kann, das ich hiermit endgültig beseitigen möchte.

 

 

Was sehe ich tatsächlich "inzwischen anders"?

...Eigentlich nicht viel, weshalb ich das der Einfachheit halber gleich zu Beginn hier aufzähle:

 

  1. Intakte(!) Böcke(!) sind meist nicht so problemlos in größeren(!) Gruppen (mehr als 2-3) zu halten wie veraltete Quellen das vermuten lassen.
    Das mag schlicht und einfach daran liegen, dass damals noch deutlich kleinere Käfige üblich waren oder/und die Autoren (auch) Futterzüchter waren, die Böcke also (großteils) nicht das Alter erreichten in dem es langsam heikel würde, was bei VZM-Böcken ab ca. einem halben Jahr der Fall ist.

    1a. Gilt längst nicht nur für VZM-Böcke: Auch wenn gleichgeschlechtliche Bockgruppen für den Menschen friedlich scheinen, kann(!) der Stresspegel sehr hoch sein (was der vermutliche Grund ist, warum VZM-Böcke nur in gleichgeschlechtlicher Haltung eher zu Papillomen neigen als Weibchen), weshalb ich über Alternativen wie Vasektomie + Weibchen nachdenke und bei einer anderen Mäuseart demnächst auch testen will, da Kastration für mich weiterhin keine Option ist, erst recht nicht bei VZM.
    (Im Tierschutz erachte ich die Kastration von zu vermittelnden Bockgruppen dagegen als ratsam.)


  2. Wann immer möglich sehe ich von einer Vergesellschaftung von Vielzitzenmäusen ab. Nein, NICHT weil fremde Vielzitzenmäuse nicht vergesellschaftet werden können, sondern weil das Gegenteil der Fall ist: häufiger als man denkt ist eine VG dieser hochsozialen Tiere garnicht erst nötig!
    Neuzugänge, sowohl unter Weibchen als auch unter Vollböcken, habe ich in den letzten Jahren bevorzugt einfach in den (voll eingerichteten, ungeputzten) Käfig der Alteingesessenen gesetzt - fertig.
    Natürlich bedarf das bestimmter Vorraussetzungen, Vorbereitungen und Mindesterfahrung, weshalb ich hier weder genauer darauf eingehen- noch gar anderen dazu raten möchte!

    Was ich in punkto VZM-Vergesellschaftung jedoch gelernt habe ist, dass ihnen möglichst sanfte, einfühlsame, Stress vermeidende Methoden der Zusammenführung (auch langfristig) dramatisch besser bekommen als das in Farbmauskreisen übliche "brutale" Zusammenzwingen à la Brechstange ("Kleinraummethode" & Co.).
    Unter RattenhalterInnen ist diese Methode als "Blitz-Inti" aus guten Gründen höchst verpönt, und ebendiese haben alternative Vorgehensweisen auf Lager, die ich anderen VZM-HalterInnen seither stattdessen empfehle.
    Denn ihr erinnert euch: Vielzitzenmäuse sind doch einfach nur Weichfell-Zwergratten ;) , auch in dieser Hinsicht wollen sie also so behandelt werden.
    Meine frühere Ansicht, VZM wären fallweise schwieriger zu vergesellschaften als Farbmäuse, nehme ich also zurück, schuld waren die haarsträubend falschen Methoden (die ich übrigens auch bei anderen Arten, incl. Farbmäusen, inzwischen ablehne, und sie dank(t)en es mir mit besonders harmonischem Zusammenleben, bis hin zu 4er-Art-VG's).


  3. Proteinarme, vegane Ernährung scheint ihnen besser zu bekommen.
    Zumindest habe ich den Eindruck von meiner so ernährten letzten Generation, einer Gruppe von 6 Vollböcken, die alle überdurchschnittlich alt wurden und (trotzdem) keinerlei Probleme mit Papillomen hatten.
    Umgekehrt munkelt man in Futtertierkreisen, dass (reichlich, tierische) Proteine Papillome zu fördern scheinen.
    Schon seit Jahren ernähr(t)e ich alle Arten mit Fertigfutter, bevorzugt als Pellets oder Kroketten, und aktuell bevorzugt der Marke Vitakraft, und bin hochzufrieden. Auch in der Hinsicht habe ich also ziemlich radikal umgedacht.

 

Sonst fällt mir nichts Nennenswertes ein.

 

 

Was Vielzitzenmäuse dagegen NICHT tun (und wovon ich NICHTS "inzwischen anders sehe", versprochen!):

  • Irgendwelche Vorbehalte gegen nicht-verwandte Artgenossen hegen. Selbstverständlich braucht man also keine Rücksicht darauf zu nehmen, ob die zu vergesellschaftenden Tiere verwandt sind oder nicht, wäre sonst wohl auch ziemlich ungünstig. ;)
    Nicht eine einzige meiner VZM-Gruppen, und derer hatte ich über die Jahr(zehnt)e wirklich so einige, bestand (langfristig) nur aus Verwandten, im Gegenteil waren sie häufig sogar aus besonders zahlreichen Quellen zusammengewürfelt.
    So unkomplizierte, hochsoziale Mäuse könnte das nicht weniger interessieren.
    Es ist mir entsprechend rätselhaft, wie es ausgerechnet bei ihnen zu dieser Behauptung kommen konnte, wenn auch bisher nur von einer Einzelperson verbreitet.
Vielzitzenmäuse überschütten alles mit ihrer flauschigen Liebe das nicht bei 3 auf den Bäumen ist. Und sei es eine beliebige andere Mäuseart, oder gar eine vertraute Menschenhand. Sie sind schließlich eine der sozialsten Arten überhaupt.
Vielzitzenmäuse überschütten alles mit ihrer flauschigen Liebe das nicht bei 3 auf den Bäumen ist. Und sei es eine beliebige andere Mäuseart, oder gar eine vertraute Menschenhand. Sie sind schließlich eine der sozialsten Arten überhaupt.
  • Einander mobben. 
    Unter Weibchen (und Kastraten) wäre das nur dann denkbar, wenn einem VG-Fehler der gröberen Sorte unterlaufen sind. Ihr ganz besonders enges, friedliches und liebevolles Zusammenleben ist umgekehrt sogar ihr Markenzeichen!
    Intakte Bockgruppen sind wie erwähnt heikel, die Gefahr von Streit also je nach Konstellation vorhanden, und vorallem für Anfänger besteht bei beobachtetem Mobbing (schon allein aufgrund der Verletzungsgefahr) besser zu früh als zu spät Handlungsbedarf. Denn "normal" ist Mobbing unter Vielzitzenmäusen nicht!
Der Kumpel ist zum Kuscheln da. Zum Mobben der Hund.
Der Kumpel ist zum Kuscheln da. Zum Mobben der Hund.
  • Sich aus größeren Höhen einfach runterfallen lassen anstatt zu klettern.
    Soso...

Dass Exemplare die z.B. aus der Zweidimensionalität von Makrolonboxen stammen anfangs nochnicht ganz so geschickt sind, ist natürlich klar, gilt aber ganz genauso auch für sämtliche andere Arten.

Apropos...

  • Farbmäusen ein schlechtes Vorbild sein, da diese das vermeintliche "einfach Fallenlassen" übernehmen wenn sie es beobachten, es fortan also auch selbst tun anstatt abwärts zu klettern.
    (Mir fehlen dazu schlicht und ergreifend die Worte, aber die sind hoffentlich auch garnicht nötig.)

  • Ganz allgemein schlechte Kletter sein und deshalb auch wenig Höhe brauchen, vorallem wenn es sich um ältere, schwergewichtige Tiere handelt.
    Aha...
  • Untereinander überhaupt nicht vergesellschaftbar sein.
    Das würde nämlich inzwischen "als heikel diskutiert", wäre gar eine "alte Sage", heißt es. Fragt sich nur mit wem die Autorin die "alte Sage" der Vergesellschaftbarkeit von VZM "heikel diskutiert" haben will, denn so eine Aussage zu den sozialsten Mäusen der Welt ist mir im deutschsprachigen Raum zum Glück ansonsten nochnie untergekommen.
    Etwas wie mangelnde Kompetenz oder/und Erfahrung ist jedenfalls ganz bestimmt nicht schuld am ausbleibenden VG-Erfolg, denn - ich zitiere - "Der Fehler sind die VZM"(!!)

    Genau das meinte ich als ich von "fatalsten" Falschinformationen sprach. Denn da sich in jenem Forum wie gesagt bevorzugt AnfängerInnen tummeln die diese nicht gleich als solche erkennen, musste ich dort zu meiner Verzweiflung z.B. schon mitlesen, wie ein betagtes VZM-Weibchen das seine letzte Freundin verloren hatte, nach entsprechender "Beratung" vollkommen ohne jeglichen Grund nicht zu Artgenossinnen, sondern zu Farbmäusen "vergesellschaftet" wurde - (unter entsprechender "Beratung") auf dermaßen dilettantische Weise wohlgemerkt, dass das Tier seine letzte Lebenszeit schreiend(!) neben(!) den es stressenden Farbmäusen verbringen musste.


Ich kann also im Sinne der Tiere nur wirklich dringend bitten, sich in kritischem Denken zu üben! (Tja, "kritisches Denken in Mäusekreisen" - ein Thema dem ich wohl seiner Wichtigkeit wegen ohnehin demnächst einen Extra-Blogartikel widmen muss...)

 

sozial - sozialer - Vielzitzenmäuse

Ohne einander sind sie unvollständig.

Di

08

Jul

2014

Lernen ≠ Konditionierung ≠ Intelligenz?

Seit ich damit angefangen habe neben Trickvideos meiner Hunde ebensolche von Mäusen auf Videoplattformen zu zeigen, fällt mir ein merkwürdiges Phänomen auf: vollführen meine Hunde schwierige Tricks, werden sie in Kommentaren für ihre Intelligenz gelobt und bewundert. Machen meine Mäuse exakt dasselbe, bewundert man aber nicht etwa ihre geistige Leistung, sondern meine Fähigkeit sie zu konditionieren.

Äussert sich doch mal jemand dazu wie schlau er/sie meine Mäuse doch findet, folgen sofort Kommentare wie: "Das ist doch nur Konditionierung, das hat nichts mit Intelligenz zu tun, die Tiere wissen doch garnicht was sie tun...".

Und in einem Rattenforum wurde die Tatsache dass Mäuse besser und schneller lernen als ihre Tiere nicht etwa damit erklärt dass Mäuse schlicht und einfach schlauer sind, sondern sogar als Beweis für das exakte Gegenteil angesehen: weil Ratten so klug wären, ließen sie sich nicht so leicht konditionieren wie die einfach gestrickten Mäuse...

Zwei Tiere tun exakt dasselbe - oder sieht das vielleicht nur rein optisch so aus? Hat es das kluge Tier links etwa gelernt, beim Tier rechts dagegen handelt es sich "nur um Konditionierung" und es "weiß garnicht was es tut"?

 

Offensichtlich herrscht also die Ansicht vor, Konditionierung und Lernen wären zwei unterschiedliche Vorgänge.

Und Konditionierung wird als etwas Passives betrachtet, ein Tier wird schließlich konditioniert bzw. lässt sich konditionieren.

 

Tatsache ist: es gibt keinerlei Unterschied zwischen Hunde- und Mäusetraining. Beide lernen auf exakt dieselbe Weise über Konditionierung.

Von manchen gewinn- und öffentlichkeitsorientieren Hundetrainern hört man zwar, sie würden "ohne Konditionierung" arbeiten, würden "Dressur" ablehnen und mit Hunden stattdessen "artgerecht kommunizieren", aber natürlich ist das Unsinn. Denn auch wenn man Konditionierung über Belohnung als "Dressur" verunglimpft, Konditionierung über Strafe dagegen in "artgerechte Kommunikation" umbenennt - klingt für den Kunden oder Zuseher schließlich besser - ist und beibt letzteres nunmal Konditionierung nach Skinner.

 

Und selbstverständlich lernen auch wir Menschen über Konditionierung, auf gut Deutsch über Erfolg und Misserfolg, weshalb es mich besonders amüsiert wenn Menschen behaupten, Konditionierung habe nichts mit Intelligenz zu tun, eher sogar mit dem Gegenteil.

 

Konditionierung unterscheidet sich nicht von Lernen, sondern sie ist eine Lernform, wie auch z.B. Prägung, Habituation, Sensibilisierung und Nachahmungslernen.

Wobei man aber strikt zwischen klassischer und operanter Konditionierung unterscheiden sollte - und ich glaube genau darin liegt das Missverständnis begründet!

 

Klassische Konditionierung kennt man meist aus der Schule bzw. hat das berühmte Beispiel des Hundes von Pavlov im Kopf - der Trainer klingelt, der Hund sabbert.

Der Hund denkt nicht darüber nach ob es jetzt Sinn macht zu sabbern, diese Reaktion "passiert" ihm einfach, er hat keine Entscheidungsfreiheit darüber ob er sabbern soll oder nicht, er tut es unfreiwillig. Und das Sabbern ist kein Zeugnis von Intelligenz. Sogar Insekten wie Bienen und Schaben können schnell und einfach klassisch konditioniert werden.

 

Operante Konditionierung, die beim Clickertraining zur Anwendung kommt, ist das exakte Gegenteil von klassischer Konditionierung, und das sagt schon der Name: das Tier ist der Operator.

Anders als bei der klassischen Konditionierung reagiert das Tier nicht auf einen Reiz bzw. den Menschen, sondern ist umgekehrt der aktive Part und der Mensch sieht nur zu und reagiert auf das Verhalten welches das Tier von sich aus - freiwillig - zeigt.

Das Tier muss also selbstständig denken bzw. kreativ werden, um den Menschen zu einer Reaktion zu bewegen. Und natürlich ist das ein Akt von Intelligenz.

 

Dass Mäuse sich so besonders gut konditionieren "lassen" ist also nicht darin begründet dass sie eben einfach gestrickt sind, sondern ist im Gegenteil ein Zeugnis ihrer so erstaunlichen geistigen Fähigkeiten.

Warum soviele Menschen bei Tieren unter einer bestimmten Körpergröße (etwa die einer Katze) schlagartig auf den Begriff "Konditionierung" umschwenken, ist mir rätselhaft. Nochnie habe ich z.B. jemanden sagen hören, "Meine Tochter ist gerade in einem Kurs, ich lasse sie zum Schwimmen konditionieren".

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