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Di

27

Feb

2018

Deine Knirpsmaus, das unbekannte Wesen

Freundchen, der erste Knirps in meinem Leben
Freundchen, der erste Knirps in meinem Leben

 

Da es bei meinen bisher gehaltenen Mäusearten jeweils so war, dass ich erst nach und nach, über Jahre und unter reichlicher Zuhilfenahme von Fachliteratur erkannte, wer diese Tiere wirklich sind, wie sie wirklich ticken und vorallem: welche Ansprüche sie an eine tiergerechte Haltung wirklich stellen, wollte ich der Afrikanischen Knirpsmaus einen so langen Lernprozess ihres neuen Frauchens diesmal ersparen.
Ich habe mich daher schon lange vor der Anschaffung, und diesmal ausschließlich(!) in wissenschaftlichen Quellen über sie informiert (anstatt wie zuvor (auch) auf privaten Haustier-Internetseiten). Es dauerte daher ein Weilchen, bis ich im größten deutschen Mäuseforum auf offene, sehr detaillierte Erfahrungsberichte und Beobachtungen einer Knirpsmaushalterin stieß, angesichts derer meine Kinnlade vor lauter Wow-Momenten gleich dauerhaft unten blieb. Das stimmt ja wirklich! Das machen die ja wirklich! Das funktioniert in der Praxis genau / genauso wenig wie in der Theorie! Die verhalten sich ja wirklich auch in Haustierhaltung so!...

 

Ich fand das so unheimlich hilfreich, dass ich Interessierte auch auf meinen Knirpsmausweg mitnehmen- und meine ersten Erfahrungen und Beobachtungen auflisten (und laufend ergänzen) will, auf dass künftige HalterInnen meine Fehler, die ich bestimmt noch zur Genüge machen werde, an ihren Tieren nicht nochmal machen müssen.

 

 

 

Maßnahmen vor der Anschaffung

Angesichts dessen, dass meine anderen Haustiere (Airedale Terrier, Sinai Stachelmäuse) frei in der Wohnung rumrennen, galt mein besonderes Augenmerk der Sicherheit meiner künftigen Knirpsmäuse.

 

Mein Hund ist zwar ganz hervorragend auf Kleintiere sozialisiert und hat zu den Stachelmäusen sogar eine enge Bindung, dennoch gehe ich vorsichtshalber davon aus, dass ein Tier das ausgewachsen nicht viel größer als eine Hummel ist, selbst bei meinem wahren Mäuse-Vollprofi keine Beißhemmung mehr auszulösen vermag.

Die einzige Möglichkeit ist also: strikte Trennung - bei einem (vermeintlichen) Käfigtier ohnehin kein Problem.

 

Dasselbe sollte zwar auch für die Stachelmäuse gelten, würde bei solch gewitzten, übermäßig neugierigen Tierchen die blitzschnell überall hindurch und hinauf kommen in Kombination mit der Tatsache, dass Knirpsmäuse noch dazu exakt ins Beuteschema von Stachelmäusen fallen, aber deutlich schwieriger, weshalb ich mich für eine zusätzliche Sicherheitsmaßnahme entschied, nämlich Impulskontroll-Training und die Einführung eines Leave-it!-Kommandos. Nach einigen Wochen war das Ganze so weit gediehen, dass ich mittels ruhig gesprochenem "Leave-it!" sogar den Angriff auf ein saftiges, panisch hüpfendes Heimchen unmittelbar abbrechen konnte. Erwartungsgemäß war das bei meiner extrem "wilden" Stachelmaus Maniamaus ganz besonders schwierig und aufwendig, klappte letztendlich aber auch bei ihr so verlässlich dass die Knirpse guten Bauchgefühles kommen konnten. Aber welche?

 

 

Auswahl der Tiere

Obwohl Knirpsmäuse angesichts ihres natürlichen (Sozial-)Verhaltens grundsätzlich für Einzelhaltung geeignet scheinen, und eine solche auch bei als Labortiere gehaltenen Knirpsmäusen üblich ist und ihnen dort gut zu bekommen scheint, sollte es dennoch eine weniger "sichere" Variante werden, also mindestens 2 Tiere. Einfach weil ich diese Art - siehe oben - diesmal von Anfang an wirklich kennenlernen wollte, somit auch ihr Verhalten untereinander, und das idealerweise in natürlicher Konstellation (welche bei Knirpsmäusen wohl oder übel ein festes, gemischtgeschlechtliches Paar wäre).

 

Meine dahingehend mühevoll ergrübelten Pläne erwiesen sich aber als für die Katz, denn es wurde letztlich ein Mitleidskauf in Form eines alten, entsprechend stark gezeichneten, dünnen, fledderohrigen Bockes aus einer Großgruppe, der seither Freundchen heißt.

Und Freundchen beigestellt habe ich Titan, einen offenbar noch jüngeren Bock, der zwar kaum verletzt schien (bis auf eine Mini-Kante am Ohr und wenige, schon ältere Narben am Schwanz), aber dennoch stark unter Stress zu stehen schien - er wich seinen Artgenossen offenbar sowohl räumlich als auch zeitlich aus, hatte schlechtes Fell und verhielt sich auffallend ängstlich.

 

Schon auf der Heimfahrt mit Freundchen plagte mich schlechtes Gewissen. Er zeigte ja schon Alterserscheinungen und "ganz nebenbei" Flanken- und Schnapp(!)atmung, hätt's also höchstwahrscheinlich sowieso nichtmehr lange gemacht, und ich tue ihm jetzt auch noch einen derartigen Wechsel seiner Lebensumstände an. Die Befürchtungen, der Umzugsstress würde ihm zeitnah den Rest geben, erwiesen sich aber zum Glück als unbegründet.

 

 

 

Erste Erfahrungen und Beobachtungen

 

Maniamaus fürchtet sich!

Ausgerechnet die! Oder ist vielleicht gerade die an ihr seit jeher auffällige "Wildheit" und "Instinktsicherheit" dafür verantwortlich?

Sie scheint jedenfalls höchst gestresst allein vom Geruch(!) der Neuankömmlinge (gesehen hat sie sie bis heute nicht). Womöglich ist das männliche Geschlecht der Knirpse das eigentliche Problem, schließlich erkennen Mäuse Männchen anderer Arten nicht nur als solche am Geruch, sondern fürchten diese vorallem auch.

Nur ganz langsam ist sie sich nach und nach am Einkriegen. Damit hätt ich nun echt nicht gerechnet! Noch dazu wuchs Maniamaus zwischen unkastriertem Rüden und einer Horde unkastrierter Vielzitzenmaus-Böcke auf!

Pirat der Kastrat dagegen scheint das andere Extrem, ihm sind die Knirpse vollkommen wurscht, auch dann wenn ich sie ihm zeige (umgekehrt erstaunlicherweise auch!).

 

 

Achtung, die springen!

Und zwar sowas von! Unangekündigt, in großem Bogen und aus jeder Höhe!

Die Erleichterung darüber, dass der gewählte 6 mm - Volierendraht (als Mäusedraht aus dem Gartenfachhandel) tatsächlich locker reicht, und zwar ganz locker - so klein sind die Tierchen nämlich auch wieder nicht - währte also nur kurz, denn Freundchen nahm sich gleich am zweiten Tag ungeplant Freilauf...

 

 

Sie verhalten sich im Auslauf exakt wie Farbmäuse!

Das hat mich wirklich völlig verblüfft! Im Käfig schienen die Tiere zuvor schließlich sehr scheu und schnell gestresst, und ziemlich genau so hatte ich sie mir schließlich auch vorgestellt.

 

Quasi von der ersten Sekunde an(!) war Freundchen im Freilauf wie ausgewechselt. Er fing unmittelbar mit gemütlich anmutender Futtersuche an, meine Anwesenheit schien ihn kaum zu interessieren, er popcornte vergnügt vor sich hin, erkundete alles mit entspannter Neugier, ohne an der Wand zu "kleben" - kurz: als würde er hier schon ewig wohnen. Man hätte anhand seines Verhaltens niemals vermutet, dass diese Umgebung neu für ihn war! Beim Fund eines ballförmigen Rattenfutter-Extrudats zeigte er Spielverhalten, dito angesichts kleiner Kieselsteinchen aus den Sohlen meiner winterlichen Straßenschuhe, die er herumtrug um sie in einer Ecke ausgiebig zu untersuchen - aha, deshalb nennt man sie in ihrer Heimat also "Loyokomoru", was übersetzt in etwa "Hüter der kleinen Steine" bedeuten soll. (Der Literatur nach sollen sie bei Trockenheit am Eingang ihres Unterschlupfs kleine Steinchen aufschichten, um frühmorgens davon Tau ablecken zu können. Eine identische Strategie wurde übrigens auch schon an australischen Mäusearten der Gattung Leggadina beschrieben.)

 

Und ihr komplettes Bewegungsmuster entspricht einfach 1:1 dem von Farbmäusen! Sogar das Tribbeln ihrer winzigen Sohlen am Fußboden könnte ich mit verbundenen Augen nicht von dem von Farbmäusen unterscheiden. Ihre Schritte sind zwar kürzer, dafür verhalten sie sich aber auch viel "gemütlicher" bzw. bewegen sich langsamer. Sie machen bei der Futtersuche dadurch einen regelrecht verträumten, ganz in sich gekehrten Eindruck.

 

Dieser Eindruck mag auch daher rühren, dass die Tiere dabei nicht miteinander interagieren bzw. sich nicht am Verhalten des anderen orientieren - sie halten mehrere Meter Abstand zueinander und wechseln sich auch zeitlich ab. Genau das ist auch zu erwarten, denn Knirpsmäuse verbringen ihre Aktivitätszeit bzw. Futtersuche in der Natur einzeln.

(Ihre Schlafenszeit verbringen sie bei mir scheinbar "nach Lust und Laune" entweder aneinander gekuschelt oder ebenfalls einzeln - das gilt für Auslauf und Käfig gleichermaßen.)

 

 

Sie riechen nicht, garnicht  - diesmal wirklich!

Jaja, versprochen wird das auch bei manch anderen Arten, darunter Vielzitzenmäusen und Stachelmäusen. Den Geruch ausgewachsener VZM-Böcke empfinde ich als entsetzlich penetrant und an Intensität bisweilen den von Farbmausböcken in den Schatten stellend, und den Geruch von Stachelmäusen zwar deutlich dezenter, aber dafür extrem unangenehm, da er mich an Verwesungsgeruch erinnert - und für einen artgemischten Käfig dieser Tiere, am Ende sogar noch mit ein paar Farbmäusen dazwischen, bräuchte man daher fast schon einen Waffenschein...

Die Aussage, dass auch männliche Knirpsmäuse - wiedermal - "fast nicht riechen" sollen, fand ich von daher also schon höchst besorgniserregend.

 

Aber ich kann mein Glück nochimmer kaum fassen! Wenn ich an frischen Urin direkt mit der Nase drangehe und einen wirklich tiefen Lungenzug nehme, bilde ich mir einen ganz leichten Feldhamstermännchen-Duft ein (Feldhamster duften unbeschreiblich gut, es ist mein Lieblingsduft überhaupt!), ansonsten rieche ich NIX! Ich glaube ich träume!

 

Apropos:

 

 

Sie markieren nicht!

Auch das war prinzipiell zwar selbst bei Böcken zu erwarten, da sie anders als z.B. Farbmäuse keine festen Territorien bewohnen (weshalb bei der Zusammenführung von Knirpsmäusen auch keine entsprechenden Integrationsmaßnahmen nötig sind), aber es geht sogar noch weiter: Sie urinieren nur (möglichst) selten! Ihr Blasenvolumen muss stattlich sein, denn wenn sie dann mal ihr "Lackerl" machen, würde man wohl eher eine ausgewachsene Vielzitzenmaus als Verursacherin vermuten. Ihr Körperinneres scheint nur aus Harnblase und Magen zu bestehen, eine andere Erklärung habe ich dafür nicht...

 

 

Sie fressen Unmengen!

Seit kurzem ist Freundchen endlich futterzahm (beim scheuen Titan hab ich das bisher noch nichtmal probiert), denn er liebt Pinienkerne (und scheint diese sogar schon von weitem zu riechen - ihr Geruchssinn scheint also ganz brauchbar!). Pinienkerne sind im Verhältnis zum Knirpsmauskörper ziemlich groß. Dennoch inhaliert er gleich mehrere hintereinander in einem Tempo, dass ich Sorge habe, ihm würde jeden Moment der Magen reißen!

Dass sie aufgrund ihrer Winzigkeit sehr viel fressen müssen ist zwar natürlich klar, nicht klar war mir aber welche Unmengen sie auf einen einzigen Satz verdrücken können und wollen.

 

 

Handling ist vergleichsweise einfach,

...bedarf aber Vorerfahrung und Routine, sowie die richtige "Einstellung"!

Man kann ihr Verhalten beim Einfangen am ehesten mit dem von Farbmaus-Jungtieren im Springeralter vergleichen - also für Anfänger bestimmt etwas gewöhnungsbedürftig, mit Erfahrung im Mäusehandling aber absolut kein Hexenwerk.

Wahrscheinlich ist meine Technik mit der Zeit noch ausbaufähig und wird entsprechend abgeändert, trotzdem möchte ich sie schon jetzt beschreiben, falls da draußen grade eine Knirpsmaus rumrennt die dringend medizinischer Behandlung bedarf:

 

Ich nähere mich der Knirpsmaus langsam mit der leicht gewölbten (bei mir aus Gewohnheit meist linken) Hand, seitlich von oben kommend, lenke sie dabei stimmlich von vorne ab. Ich lege die linke Hand langsam und vorsichtig (ruhige, gleichmäßige Bewegungen!) auf die Maus und schiebe die rechte Hand langsam und vorsichtig darunter, darauf achtend dass keine Lücken zwischen Händen/Fingern bleiben. Den Rückenkontakt behalte ich die ganze Zeit über bei. Zu beachten ist dass sie bei Gelegenheit in hohem Bogen nach vorne springen würden, daher also insbesondere auf die Position des Kopfes achten!

Will ich mir irgendein Körperteil genauer ansehen, löse ich vorsichtig die entsprechenden Finger aus dem Griff, darauf achtend dass der Kopf sanft "eingeklemmt" bleibt (indem ich einen Finger an die Stirn halte). Auf diese Weise kann ich Freundchen seine Augensalbe verabreichen und überlange Hinterkrallen schneiden, und auch Titan gründlich von oben bis unten durchchecken. Gezwickt wurde ich bisher nicht, ich empfinde die Tiere wie gesagt vergleichsweise (sehr) einfach zu handeln - also bitte keine unnötige Angst davor wenn eure Maus (medizinische) Hilfe braucht!

 

Daraufhin bleiben sie mitunter noch ein Weilchen in Schreckstarre, ich warte aber ab bis sich diese löst und sie aktiv versuchen, dem Griff zu entkommen. Das lasse ich zu bzw. tue so als wären sie stärker als die Hand und hätten "gewonnen" (sehr wichtig damit sie diesen Stress positiv verarbeiten und Selbstbewusstsein gegenüber der Hand entwickeln).

Und mit der "richtigen Einstellung" meinte ich oben Respekt vor dem Willen der Maus. Häufig beobachte ich beim Einfangen von Mäusen oder auch anderen Tieren, dass, wenn das Tier in letzter Sekunde zu entwischen droht, reflexartig(!) "nachgegriffen" wird, um das Tier doch noch zu erwischen. So ein "Nachgreif-Reflex" wäre für eine Knirpsmaus wohl tödlich! Man darf also nicht mit der Einstellung rangehen, sie "diesmal endlich kriegen" zu wollen.

 

Und auch in ihrem kompletten restlichen Alltag gilt:

 

 

Knirpsmäuse brauchen Rückenkontakt!

Sie bevorzugen auch bei der Futtersuche eine üppige Heuschicht über ihren Köpfchen, und nur grade mal knirpsmaushohe Unterschlupfe. Laut Literatur werden sie z.B. von rumliegenden Blechstücken als Schlafplatz regelrecht magnetisch angezogen, ich selbst biete ihnen stattdessen neben im Käfig bis auf wenige Lichtungen flächendeckendem Heu außerdem umgedrehte Plastikdeckel von Tupperdosen und Plastik-Blumenuntersetzer an (zwischen Erd- und Heuschicht), da ich Sorge habe, sie könnten von schwereren Gegenständen unter Umständen erdrückt werden. Mit handelsüblicher Käfigeinrichtung in Form vermenschlichender Holzhäuschen mit Spitzdach, Fensterkreuz und Schornstein können Knirpsmäuse selbstverständlich nichts anfangen!

Ein Unterschlupf nach Knirpsgeschmack hat neben Rückenkontakt auch noch einen mittelgradigen Kuschelfaktor zu bieten, z.B. eine Schuhspitze.

"Wer stört?"
"Wer stört?"

Idealerweise befindet sich ein solcher Unterschlupf auch noch in luftiger Höhe...

 

 

Knirpsmäuse klettern unheimlich gut und gern

Auch fliehen sie nach oben, sobald sie merken dass Flucht am Boden nix bringt. Sie erklimmen dann blitzartig, in meinem Fall den Katzen-Kletterbaum, in der Natur vermutlich einen "richtigen" Baumstamm, um dort völlig reglos "einzufrieren". Obwohl sie sich auf meinem Kratzbaum farblich schlecht tarnen können, haben sie mich auf diese Weise schon mehrfach ausgetrickst - plötzlich scheint die Maus "verschwunden"! Ich kann mir lebhaft vorstellen, wie gut sie sich so auf Baumrinde tarnen können und Angreifer damit genauso verwirren wie mich.

 

 

Neues ist ihnen völlig wurscht

Dass sie nichtmal einen Hauch von Neophobie zeigen, sollte inzwischen ja durchgeklungen sein - sie zeigen aber auch nicht das Gegenteil.

Heute habe ich mich erstmals mit Kuscheldecke, Trinkflasche und Büchern für 2 Stunden in ihren Auslauf gesetzt, nichts davon kannten sie. Für jede andere Maus wohl eine Weltsensation - manche wären höchst beunruhigt, andere würden vor Neophilie platzen. Aber die Knirpse interessiert nix Neues oder sonstige Veränderungen... ihr Tunnelblick gilt einzig ihren Futterkörnchen. Freundchen kam zwar kurz an, die unbekannte Kuscheldecke betretend (ohne von ihr Notiz zu nehmen), um an meiner Hand zu schnuppern - nach dem Motto, "Bist du nicht die mit den Pinienkernen? Nein? T'schuldigung, dann wars eine Verwechslung" - und die komplette restliche Zeit war nur Futtersuche angesagt. Futtersuche ist einfach ihr Lebensmittelpunkt! Als sogenannte "reine Beobachtungstiere" würde ihr Unterhaltungswert also in etwa dem von Kühen auf der Weide gleichkommen. Ganz ehrlich: Sie sind die langweiligsten Mäuse die ich je hatte.

Praktisch ist dabei aber: Es interessiert sie nichtmal, wenn eine Tür zu einem "vorbotenen" Raum offensteht. "Die große weite Welt kann ich mir ja auch später noch ansehen, jetzt fress ich erstmal in Ruhe fertig"... Knirpsmäuse sind also gleichzeitig auch besonders "einfache", ausgesprochen angenehme, unaufgeregte Pfleglinge.

 

 

Knirpsmäuse scheinen ausgesprochen stressresilient

Meine beiden Knirpse haben sich psychisch wie körperlich im Zeitraffer gefangen. Titan würde ich nichtmehr wiedererkennen können, sein zuvor auffallend stumpfes Fell erstrahlt in neuem Glanz. Und Freudchen's vormals nur noch ganz schütteres Fell am hinteren Rücken (wohl verursacht durch permanentes Gejage und Gebeiße in der Gruppenhaltung) ist schon fast wieder dicht, binnen kürzester Zeit sah man schon dichtes, neues Fell durchbrechen. Seine ominöse Atemnot (ohne Atemgeräusche) besserte sich binnen weniger Tage (sehr) deutlich und ist inzwischen selbst in Stresssituationen kaum noch zu sehen. Er hat inzwischen auch Normalfigur (zuvor Untergewicht) und "popcornt" regelmäßig. (Nur sein Gangbild wird sich wohl nichtmehr "verjüngen" können, er ist recht langsam unterwegs und eines flotten, gestreckten Mäusegalopps wie Titan leider nicht mächtig.)

Und auch akuten Stress schütteln sie wie's scheint genauso schnell ab, schon im nächsten Moment tun sie so als wär nie was gewesen.

Dadurch sind Knirpsmäuse auch nicht so "nachtragend" wie manch andere Mäuse, also auch in der Hinsicht "einfacher".

 

 

Zwischen männlichen Knirpsmäusen besteht eine klare, formale Dominanzhierarchie

Auseinandersetzungen sieht oder hört man zwischen meinen Tieren niemals, obwohl beide Böcke seit jeher "pechschwarze" Hodenhaut besitzen (ein Hinweis auf hohen Geschlechtshormonpegel). Und der "Chef" ist hier eindeutig Freundchen, also das deutlich ältere, größere, dunklere, wenn auch "kriegsversehrte" Tier.

All meine bisherigen Beobachtungen hierzu decken sich 1:1 mit denen besagter Knirpsmaushalterin im größten Mäuseforum, welche erfolgreich eine große (waren es insgesamt mehr als 30 Tiere?) Bockgruppe vergesellschaftet hatte.

 

Das dürfte wohl oder übel auch der Grund dafür sein, dass ich Titan (und nur ihn!) hin und wieder auch mal außerhalb ihrer natürlichen Aktivitätszeit (Afrikanische Knirpsmäuse sind streng nachtaktiv - sowohl in der Natur als auch in Gefangenschaft!) bei der Futtersuche antreffe, wodurch er ja auch schon in seiner vorherigen Großgruppe auffiel.

Knirpsmäuse in Gruppenhaltung sind nicht deshalb "bessere Beobachtungstiere" bzw. tagaktiv, weil sie sich in einer Großgruppe "sicherer fühlen", sondern weil sie gezwungen sind, ihren Artgenossen zeitlich auszuweichen!

 

 

Knirpsmäuse fressen am liebsten... ja was denn eigentlich?

Apropos nachtaktiv: Je strenger nachtaktiv ein Tier, desto höher zwangsläufig der Anteil an tierischer Kost, da die Tiere nur so an ausreichend, lebenswichtiges Vitamin D kommen.

Und Apropos Knirps: Grob lässt sich außerdem sagen, je kleiner ein Nagetier, desto tierischer seine Kost - und umgekehrt.

Eine Knirpsmaus ist ja sogar nachtaktiv UND klein! Auf den ersten Blick scheint es also regelrecht absurd, diese Tiere - wie hierzulande üblich - mit Vogelfutter zu ernähren, und vielleicht einen Mehlwurm die Woche. Und entsprechende Klagen von HalterInnen, ihre Knirpsmäuse würden ihnen gesundes Frischfutter wie Gemüse und Grünzeug vor die Füße spucken, scheinen alles andere als überraschend.

 

Dennoch scheint zur Hauptnahrung der Tiere sehr wohl auch pflanzliche Kost wie Grassamen zu zählen, neben kleinen Wirbellosen wie Termiten und anderen Insekten. Sehr spannend ist außerdem, dass Knirpsmäuse in der Natur sogar eine Rolle bei der Bestäubung bestimmter Pflanzen zu spielen scheinen, deren Blüten sie regelmäßig aufsuchen!

 

Meinen Tieren biete ich momentan an:

Crispy Pellets Rats & Mice von Versele-Laga, VITA Special All Ages für Ratten von Vitakraft, Feinsämereien für Vögel und Nager von Dehner (flächendeckend sowohl in Käfig als auch Auslauf verstreut) und diverse gepoppte Samen, Pinienkerne und Wellensittichfutter als Leckerchen. Natürlich möchte ich künftig aber auch noch diverses Weitere testen. Bislang scheinen sie hiermit jedenfalls bestens zu gedeihen.

 

 

Knirpsmäuse nagen kaum

Ein einziges Mal habe ich zu Beginn beobachtet, dass sich einer der beiden (wer weiß ich nicht) unter einer Tür durchzunagen versuchte, aber schon nach kurzer Zeit aufgab. Das im Auslauf vergessene, dünne Kabel der Mondlichtlampe, war - sehr mäuseuntypischerweise - völlig unversehrt, genau wie ein Wintermantel, welchen sie bei einer Gelegenheit als Schlafplatz genutzt hatten (naja, bis auf einen vielzitzenmausgroßen Pissfleck wiedermal). Es sieht bisher ganz danach aus als könnte für Knirpsmäuse, anders als für nagewütige Gattungsgenossen wie Farbmäuse, Kuschelzeug aus Stoff ähnlich sicher sein wie für die nicht-nagenden Stachelmäuse. Gefallen daran hätten sie jedenfalls mit Sicherheit!

 

 

Knirpsmäuse sind einfach so "anders"!

Heute schienen Freundchen und Titan mindestens teilweise getrennt im Auslauf geschlafen zu haben (tun sie wie schon oben erwähnt nachwievor "nach Lust und Laune" bzw. abwechselnd, und falls ich sie morgens nicht zusammen liegend vorfinde, setze ich sie aus Sicherheitsgründen auch nicht zusammen in den Käfig). Daher habe ich mich heute extra noch vor Beginn ihrer Aktivitätszeit auf die Lauer gelegt, weil ich sehr neugierig darauf war, wie sie einander nach einer getrennt verbrachten Ruhephase wohl "begrüßen" würden... garnicht! Nachdem ich Futter gleichmäßig ausgestreut hatte, kamen beide hervor und einander anfangs ungewöhnlich nahe (auf ca. 80cm), einander intensiv beäugend. Später folgten die üblichen Ausweich-Rituale seitens Titan, wenn die Tiere in kürzerer Distanz aneinander vorbei liefen oder angesichts geclusterten Futters - also alles "wie immer".

Sehr ungewohnt, wenn man bis dahin nur (hoch)soziale Arten gepflegt hat! Aber angenehm ungewohnt - kein Gequietsche, kein Gerenne, kein Geschnuppere, kein Gerempel, kein Geputze, kein Gejage,... sondern entspannte Ruhe zwischen den Tieren - intakten, männlichen Tieren wohlgemerkt!

 

Aber dann wollte ich sie endlich mal richtig aus der Reserve locken, sogar die Kamera hatte ich in Erwartung niedlicher Szenen schon vorbereitet - ich überraschte sie mit einem knallpinken Mini-Plastikbällchen von der Größe ihrer Extrudate, welche sie ja auch gern rumschleppen... ALLE Mäuse lieben Bälle schließlich über alles! Aber: NIX! Keinerlei Reaktion! Sie liefen körpernah dran vorbei und guckten es dabei nichtmal mit dem Hintern an, schnupperten nicht dran - garnix! Ich versteh die Mäusewelt nichtmehr... Bisher dachte ich nämlich, es gäbe Mäuse nur in neugierig.

 

 

Knirpsgriff in Wort und Bild

Da Freudchen bei der heutigen Kontrolle vorerst keiner weiteren Behandlung bedurfte (zuvor Augenentzündung, wie man insbesondere links noch am schütteren Fett drumherum erahnt, sowie überlange "Daumenkrallen" an den Hinterbeinchen - ein häufiges Problem auch bei Farbmaus-Senioren/-Invaliden), habe ich heute stattdessen die Kamera zur Hand genommen, um meinen vorläufigen "Knirpsgriff" zu zeigen. Ich halte ihn gefühlvoller als es vielleicht am Foto scheint, und solange er, insbesondere am Kopf(!), niedergehalten wird, bleibt er ruhig. Beim Schneiden der jeweils innersten Krallen der Hinterbeinchen klemme ich das jeweilige Beinchen zusätzlich zwischen zwei Fingern ein.

Während beide Mäuse anfangs - wie oben erwähnt - danach noch ein Weilchen in Schreckstarre verharrten, verhält sich Freundchen inzwischen unmittelbar wieder selbstbewusst und "verlangt" gar nach dem gewohnten Pinienkern. (Titan ist augenscheinlich soweit fit, ich handle ihn daher nicht regelmäßig.)

 

 

Und zwischendrin mal ein paar Antworten auf die schon nach und nach reintrudelnden Fragen...

 

Ist Auslauf für die nicht gefährlich? Wie machst du das?

Selbstverständlich ist es gefährlich, wenn sich Tiere solchen Größenunterschiedes, in dem Fall Mensch und Knirpsmaus, im selben Raum bewegen. Es ist aber wohl oder übel völlig egal auf welchen Kleinnager man versehentlich treten würde - ob Hamster, Farbmaus oder Knirpsmaus - jeder Kleinnager der Bekanntschaft mit den menschlichen Füßen macht, wäre sofort tot. Das bisher zum Glück einzige meiner Haustiere, das auf diese Weise verunglückt ist, war übrigens kein kleines Mäuschen, sondern ein ausgewachsener Farbrattenbock (nicht durch mich, sondern durch einen Freund der vor Schreck einen Luftsprung gemacht hatte, als die Ratte unvermittelt neben ihm aus einem Papierkorb sprang).

Ich finde in dieser Hinsicht Farbmäuse besonders "schwierig" da sie schon so "instinktdegeneriert" sind dass sie einem direkt vor die Füße spazieren würden. Gerade Knirpsmäuse und andere nicht-domestizierte Arten sind in der Regel wesentlich vorausschauender und bringen sich sogar schon in Sicherheit, wenn sie menschliche Schritte nur hören/fühlen.

Natürlich braucht es zum Kleintierauslauf mit Menschenkontakt - jedem Kleintierauslauf - auch angepasstes Verhalten seitens des Menschen, z.B.: bei jedem Schritt schauen wo man hintritt, schlürfende Schritte, unter keinen Umständen einen Schritt zurück machen, wenn man von der Hocke aufsteht darauf achten dass keine Maus unter der Ferse sitzt, wenn man aus dem Sitzen aufsteht darauf achten wo man sich mit der Hand abstützt, sehr genau darauf achten dass man keine Maus in der Tür einklemmt (auch auf der Seite der Scharniere!), usw...

Und Apropos: Hinzu kommt bei der Knirpsmaus ihre Winzigkeit, es ist daher besonders auf "Knirpsmausdichtheit" zu achten, z.B. unter den Türen. In einem Mäuseforum hatte ich leider mitgelesen, wie ein entwischtes Knirpsmausböckchen unter der Tür durchschlüpfte - direkt ins Maul der dahinter lauernden Katze des Haushalts... weshalb ich darauf besonders geachtet habe, bei mir lauern dahinter schließlich gefräßige Stachelmäuse.

 

 

Sind Knirpsmäuse denn nicht Gruppentiere?

Nein, das sind sie wirklich auf garkeinen Fall - zumindest laut sämtlichen, mir bekannten, seriösen Quellen (nicht "das Internet", sondern wie oben erwähnt ausschließlich Fachliteratur).

Dennoch hatte auch mich interessiert, wo diese sehr verbreiteten "Fakenews" herkommen, und ich habe deshalb zahlreiche HalterInnen und AutorInnen entsprechender Internetseiten kontaktiert - national wie international. Die Antwort war immer sowas wie, "Na das steht eben so im Internet", oder aber auch sowas wie, "Ich habe zwar gelesen, dass sie in der Natur solitär leben sollen, aber als ich das in Facebookgruppe XY anmerkte wurde ich so aggressiv angegangen, dass ich mich seither nichtmehr getraute, das nochmal zu erwähnen",...

 

Im Falle von Knirpsmäusen ist es auch nicht - wie sonst "üblich" - so, dass eine- von der anderen Internetseite einfach "nur" abgeschrieben hätte, sondern die Angaben zu ihrem vermeintlichen "Gruppenleben" wurden noch dazu von Mal zu Mal immer "extremer".

Während es auf einer der ältesten - und in dem Fall seriösen - Internetseiten über exotische Mäuse gleich im ersten Absatz des Artikels über Afrikanische Knirpsmäuse hieß, die Unverträglichkeit dieser Tiere in hiesiger Gefangenschaft könne von ihrer, laut seriöser Literatur, solitären Lebensweise rühren, hat sich das über die Jahre schrittweise zu inzwischen geradezu irrwitzigen Angaben zur "normalen" Gruppengröße gesteigert. Längst wurden Afrikanische Knirpsmäuse sogar zum "Groß(!)gruppentier" umdeklariert, das sich erst wohlfühle, wenn es sich in einem handelsüblichen Terrarium auf 70 oder 80 Tiere vermehre, ja sogar bis 120 Tiere seien noch "normal"...

Warum? Ich habe ehrlichgesagt keine Ahnung. Vorstellen könnte ich mir, dass die Wurzel des Übels ein simpler Übersetzungsfehler ist. Schließlich ist die Individuendichte von Afrikanischen Knirpsmäusen laut Fachliteratur zu Spitzenzeiten sehr wohl "hoch bis sehr hoch". Bei der Individuendichte handelt es sich aber nicht um die Gruppengröße - vielleicht besteht darin das Missverständnis - sondern um die Anzahl von Individuen auf einer bestimmten Fläche. Und die Individuendichte von Afrikanischen Knirpsmäusen ist tatsächlich besonders hoch, sie kann bis 28 Tiere pro Hektar betragen (ein Hektar sind allerdings 10.000 m², kein Viertel eines Mäuseterrariums, just sayin'...).

 

Die hierzulande "übliche" Panik, Knirpsmäuse würden andernfalls "grausam an Einsamkeit sterben", entbehrt jeglicher Grundlage, es handelt sich hierbei schlicht um Vermenschlichung (eine Knirpsmaus stirbt natürlich genauso wenig an "Einsamkeit" wie etwa ein Goldhamster).  HalterInnen, welche entsprechend schwer zerbissene Tiere - wie es das Tierschutzgesetz schließlich vorsieht - von ihren Artgenossen separieren, werden in Internetforen perfide unter Druck gesetzt mit Sätzen wie, "Jeder Tag in Einsamkeit verkürzt sein Leben!". (In der Realität ist es übrigens exakt umgekehrt, Einzeltiere sind wesentlich langlebiger, von bis zu 5 Jahren ist die Rede, "offiziell" nachgewiesen sind laut Fachliteratur 4,3 Jahre, Stand 2005 - sehr ungewöhnlich für ein so winziges Tier!)

Und leider artet diese Fehlannahme auch nicht selten in schwere und schwerste Tierquälerei aus. "Live" in einem Mäuseforum mitlesen musste ich unter anderem sogar, wie einzelne Knirpsmäuse in Gruppen der um ein Vielfaches größeren Farbmäuse(!) "vergesellschaftet" wurden, und das noch dazu auf - vorsichtig formuliert - alles andere als sachkundige Weise. Erwartungsgemäß verendeten die Tiere schnell an diesem horrenden Stress.

 

Mein Aufruf an Mitlesende daher: Rettet die Knirpsmaus! Und das meine ich wortwörtlich. Holt sie da raus!

 

 

Wie fängst du deine Knirpsmäuse aus dem Auslauf wieder ein?

Entweder mit der oben schon beschriebenen "Hand-auf-Maus"-Methode oder mittels "Schlafködern" wie Schuhen oder zerknüllten Handtüchern. Da Knirpsmäuse in der Natur als besonders schwer zu fangen gelten, macht man sich übrigens auch dort ihr "Streunertum" zu Nutze und legt aus Knirpsmaussicht attraktive Unterschlupfe aus, um die nichts Böses ahnenden, schlaftrunkenen Knirpse sodann einfach "einzusammeln".

 

 

Sind Knirpsmäuse nicht schwierig?

Ich wüsste nicht in welcher Hinsicht.

Siehe oben - Knirpsmäuse haben kein "schwieriges Sozialverhalten", sondern sie haben "schwierige" HalterInnen. Und Knirpsmäuse sind schongarnicht "blutrünstig", sondern sie sind missverstanden.

Und ansonsten erscheinen sie mir bisher sogar als besonders einfach und unkompliziert in Haltung und Umgang. Dies deckt sich auch mit Angaben internationaler HalterInnenkreise. Sie sind sozusagen "Exoten light", also sehr wohl für Einsteiger in die Exotenhaltung- und hier meiner Meinung nach ganz besonders für Aussteiger aus der Farbmaushaltung empfehlenswert. Schließlich ähneln sie diesen in mancherlei Hinsicht (was den Umstieg für alle Beteiligten erleichtern dürfte), bis auf genau die Eigenschaften die langjährige FarbmaushalterInnen an ihren Tieren meist beklagen, darunter (vermeintliche) Krankheitsanfälligkeit, Kurzlebigkeit, Geruchsintensität, Unverträglichkeit der Böcke, usw.

 

 

Und weiter geht's mit eigenen Beobachtungen bzw. Fragen an mich selbst:

 

Was machen Knirpsmäuse mit ihren Bäckchen?

Auf Fotos von Knirpsmäusen war mir als Stachelmaushalterin schon seit jeher regelrecht ins Auge gestochen, dass sie scheinbar, genau wie diese, ihre Bäckchen prall mit Körnern vollzufüllen pflegen. Stachelmäuse machen das deshalb, weil sie Scatter-Hoarder sind und diese somit flächendeckend rumverstecken wollen. Könnte der Grund im Falle von Knirpsmäusen also derselbe sein?

Klein-Titan mit prallen Bäckchen
Klein-Titan mit prallen Bäckchen

Das hielte ich für ein spannendes kleines Sensatiönchen, da überdurchschnittliche Intelligenz quasi die Voraussetzung für dieses Verhalten ist. Und Knirpsmäuse sind zwar nicht die kleinsten Nagetiere der Welt, haben peinlicherweise aber trotzdem das mit 275 mg kleinste Nagetier-Gehirn der Welt. Ob da also soviel "reinpasst"? Schließlich ist zumindest die "Hardware" laut Fachliteratur dieselbe wie die größerer Gehirne...

Meinen bisherigen Beobachtungen zufolge nicht. Sie scheinen sich schlicht und einfach in eine Deckung zurückzuziehen, um die gesammelten Körnchen in Ruhe fressen zu können. Insbesondere größere Futterbestandteile tragen sie aber auch in ihren Unterschlupf.
In meiner Haltung ist das sogar überaus praktisch, da sie all das was die Stachelmäuse zuvor versteckt hatten (darunter Spiralnuden die 1,5 mal so groß wie Knirpsmäuse sind!) wieder artig einsammeln. In meinem Fall also: perfekt! Wenn auch nicht ganz so spannend wie insgeheim erhofft.

 

 

Knirpsmäuse buddeln kaum

Auch in dieser Hinsicht verhalten sie sich bei mir bisher brav "wie's im Buche steht": vorhandene Unterschlupfe werden klar bevorzugt und wenn sie buddeln, dann eher nur eine bequeme Liegekuhle unterm Heu (als Untergrund nutze ich eine Mischung aus Kokoshumus und Sand). Tiefer als maximal Knirpsmaushöhe wird so ein Schlafplätzchen bei meinen nicht. (Das gilt wohlgemerkt für Böcke, insbesondere trächtige Mädls mögen es vielleicht anders handhaben, falls ihnen keine aus ihrer Sicht geeigneten Unterschlupfe zur Verfügung stehen, sowie natürlich Exemplare die unter sozialem Stress stehen.)

Deshalb habe ich ihren Untergrund heute probeweise zum Teil durch eine knirpsmausbraune Fleecedecke ersetzt, absichtlich etwas faltig gelegt, und darüber wie gewohnt Heu... Und sie sind schlichtweg be-geis-tert! Langsam aber sicher entwickle ich eben doch ein Gefühl für Knirpsmausgeschmäcker und -vorlieben.

 

 

Knirpsmäuse können völlig lautlos schleichen

Das ist ein Verhalten das ich so noch bei keiner anderen Maus beobachtet habe!

Findet sich eine Knirpsmaus z.B. inmitten eines großen, von ihr noch "unbearbeiteten" Heubergs und wähnt sich beobachtet, z.B. vom sie erwartungsvoll angaffenden Menschen, bewegt sie sich in Zeitlupe. Bis dahin auch für andere Mäuse zumindest noch ansatzweise "normal". Die langsamen Bewegungen der Knirpsmaus erinnern aber fast schon an die eines Chamäleons! In Superzeitlupe setzt sie Beinchen für Beinchen, darauf achtend dass sie keinen anderen Halm berührt, extrem vorsichtig ab, ohne dabei auch nur das kleinste Rascheln zu verursachen. Leider zeigen meine Tiere dieses Verhalten inzwischen nur noch situationsweise, anfangs war ich jedoch höchst verblüfft wenn eine Maus plötzlich am anderen Ende des heugefüllten Käfigs auftauchte, ohne dass ich bis dahin die kleinste Bewegung im Heu oder das kleinste Rascheln vernehmen hätte können.

 

 

Knirpsmausbäckchen scheinen nicht mit Körnern gefüllt, sondern mit Nahrungsbrei

Auch wenn meine Mäuse sehr weiche, bis hin zu breiiger Nahrung zu sich nehmen, z.B. zerquetschte Pinienkerne (damit sie erstens nicht so schlingen und zweitens länger bei der Hand sitzen bleiben), wachsen ihre Bäckchen an. Und auch bei harten Futterbestandteilen wie Hirsekörnern habe ich inzwischen beobachtet, dass sie diese nicht direkt in die Bäckchen stecken wie Stachelmäuse, sondern ganz normal kauen, und erst während des Kauens werden ihre Bäckchen immer größer und größer. Während sie auf der Suche nach weiterer Nahrung sind, kauen und schmatzen sie vor sich hin als hätten sie einen Kaugummi im Mäulchen und die Bäckchen schrumpfen wieder etwas ein, bis sie auf ihrem Weg erneut auf Futter treffen.

 

 

Was die Knirpsmaus nicht kennt, frisst sie nicht

Zu meinem in Anbetracht ihres Monsterappetits großen Erstaunen, scheinen Knirpsmäuse äußerst wählerisch. Es ist auch nicht so dass sie von Unbekanntem probieren und es als unlecker oder ungeeignet einstufen, sondern sie scheinen es überhaupt nicht als potentiell fressbar wahrzunehmen. Vielleicht mit ein Grund, warum sie im Freiland als so besonders schwer zu fangen gelten? Sie verschmähen bei mir sogar klassische, artübergreifende Mäuse-Superleckerchen wie Hunde-Frolic oder Vitakraft-Knusperwaffeln! Und auch Katzen-Taurinpaste, laut Berichten anderer HalterInnen bei ihren Tieren unheimlich beliebt, ignorieren meine Mäuse völlig - sie kommen also nichtmal auf die Idee, auch nur dran zu schnuppern! Und umgekehrt berichtete eine andere Halterin jüngst von der Existenz pinienkernverschmähender Knirpsmäuse, was wiederum mein Vorstellungsvermögen übersteigt.

Womöglich ist es also eine ähnlich gute Idee wie bei Stachelmäusen, schon Jungtieren eine möglichst breite Palette an Futter vorzusetzen, um Mäkeleien im Erwachsenenalter zu vermeiden.

 

 

Je kälter der Raum, desto heißer der Knirps

Angesichts aktueller Diskussionen rund um die Kälteempfindlichkeit von Knirpsmäusen, mag auch ich von meinen dahingehenden, weil ziemlich wichtigen Beobachtungen berichten, wenn auch etwas verspätet:


Da meine Stachelmäuse starken, nächtlichen Temperaturabfall sehr schätzen, und wohl oder übel in freier Wohnungshaltung leben, pflegte ich in diesem Winter über die Nacht durchzulüften, wodurch die Raumtemperatur gewöhnlich auf ca. 14°C absank. Zu meinem Erstaunen gewöhnte auch ich mich sehr schnell und gut an das schattige Stachelmauswetter, und mein Airedale Terrier sich an sein ungetrimmtes Wuschelfell...

Den Auslaufraum der Knirpse (Flur und Bad) nehme ich seit ihrem Einzug von der nächtlichen Belüftung aus, ja beheize ihn sogar. So zumindest mein Vorsatz, den ich aus Gewohnheit aber gleich in ihrer zweiten oder dritten Auslauf-Nacht vergessen hatte. Zu meinem Schreck fand ich den Raum frühmorgens entsprechend klirrend kalt vor, sowie Freundchen (zu dem Zeitpunkt noch kränkelnd und spindeldürr!) allein und völlig ohne Deckung am Kratzbaum dösend. Beim Hochheben fühlte er sich aber warm an, und zwar sehr warm - er glühte förmlich als hätte er Fieber! Gut möglich ist zwar, dass sein Kumpel Titan sehr wohl an ihm geschlafen- und bei meinem Eintreten wiedermal blitzartig das Weite gesucht hatte, aber er allein hätte Freundchen ohnehin nicht so kuschelig warm halten können.

Ich glaube also Zeuge dessen geworden zu sein was auch Fachliteratur beschreibt: Knirpsmäuse scheinen sich bei Kälte nicht wie andere Arten durch Torpor zu schützen, sondern (allein) durch verstärkte Hitzeproduktion!

Auch ansonsten fühlen sich meine Knirpse bei kühler Raumtemperatur stets überraschend warm an.

 

Diese Besonderheit sollte man unbedingt im Hinterkopf behalten, um seine Tiere nicht durch eine eventuelle Verwechslung von Ursache und Wirkung in Gefahr zu bringen!

 

In Mäuseforen habe ich nämlich mehrfach von (jeweils tödlichen) Fällen gelesen, in welchen ein Knirps "unterkühlt" allein in einer Ecke vorgefunden wurde. Als Ursache eben dieser "Unterkühlung" wurde vermutet, dass Knirpsmäuse als "Großgruppentiere" auf die Körperwärme zahlreicher Artgenossen angewiesen seien, das jeweilige Tier also deshalb auskühlte, weil es allein rum saß.

Angesichts dessen, dass - wie an anderer Stelle erwähnt - Knirpsmäuse nichtmal bei Temperaturen um den Gefrierpunkt in einen Torpor fallen, und übrigens auch nicht nach mehreren Tagen ohne Futterzufuhr, und zwar in Kalthaltung - jeweils einzeln versteht sich - scheint es wirklich mehr als unwahrscheinlich, dass eine Knirpsmaus bei normaler Zimmertemperatur "unterkühlt", nur weil sie nicht mit anderen Mäusen im Nest saß...

Wesentlich naheliegender ist stattdessen, dass die jeweilige, "unterkühlte" Maus ein sehr schwerwiegendes (Gesundheits-)Problem hatte, und sich aus diesem Grund irgendwo allein verschanzte.

Findet ihr eure Knirpsmaus also "unterkühlt" bzw. in einem torporähnlichen Zustand vor, geht davon aus dass sie ein wesentlich schwerwiegenderes Problem hat als Unterkuschelung!

 

 

Sie sind so mucksknirpsmäuschenstill!

Auch in der Hinsicht bin ich total positiv überrascht von meinen neuen Mitbewohnerchen - immerhin ja nachtaktive Tiere mit Vorliebe für üppige Heuberge und ständigem Körnergeknabbere. Denn trotzdem hört man sie praktisch überhaupt nicht - null! Was sind das nur für angenehme Mäuse!

 

 

Knirpsmäuse haben immer gute Laune

Und das zeigen sie durch besonders häufiges Popcornen. Ihre gewaltige Sprungkraft kombiniert mit ihrer Winzigkeit lässt das mitunter spektakulär aussehen und dem echten Popcorn in der unabgedeckten Pfanne in nichts nachstehen! Dermaßen niedlich, verrückt und häufig habe ich noch keine anderen Mäuse popcornen sehen. Und das ist das was ich an Knirpsmäusen auch wirklich unheimlich niedlich finde (denn jegliches Kindchenschema lässt mich kalt). Ein Video davon wird bestimmt mal nachgereicht!

 

 

Ich rieche Wildsau!

An Stellen besonders hoher Futterdichte habe ich seit jeher beobachtet, wie Freundchen mit gekrümmtem Hintergestell daran herumrutscht. Auch am glatten Fußboden konnte ich dabei aber bisher keine Urinspuren ausmachen.

Titan, der Freundchen in diesen Situationen aus einer Deckung heraus genau zu beobachten pflegt und die Futterstelle erst aufsucht, wenn Freundchen mit vollen Bäckchen wegrennt (und sofort wieder in Deckung geht, wenn er zurückkommt), zeigt dieses Verhalten daraufhin nicht, scheinbar aber sehr wohl wenn er (länger) alleine- und die Futterstelle noch "frisch" ist.

An ihrer Fleecedecke im Käfig habe ich an solchen Futterstellen nun einen, sogar ziemlich intensiven, Geruch nach Wildsau ausgemacht (welche leider nicht ganz so gut wie Feldhamster duften, ihr Geruch erinnert an Maggi Suppenwürze).

Das war's also auch diesmal wieder mit der geruchlosen Mäuseart! Als störend empfinde ich das Bisschen Wildsau aber nicht, riecht schließlich eher nach Oma's Küche als nach Tier. Außerdem scheint der Geruch auf anderen Untergründen ohnehin deutlich dezenter.

 

 

Auch tagsüber wachen Knirpse regelmäßig auf

Diese (sehr) kurzen Wachphasen - soweit ich das trotz ihrer Mucksknirpsmäuschenstille mitbekomme - finden alle paar Stunden statt, beschränken sich aber jeweils auf das Mampfen ein paar weniger Körner mit total verschlafenem Gesichtsausdruck, während sie ihre Deckung kaum bis garnicht verlassen. Anzufangen ist mit den Tieren dabei also leider nix.

 

 

Zwischendurch reingetrudelte Fragen:

 

Können Knirpsmäuse so große Rattenpellets überhaupt fressen?

Hab ich mich anfangs auch gefragt, ist zumindest für eine gesunde, erwachsene Knirpsmaus aber scheinbar null Problem, denn: Knirpsmäuse haben verblüffend viel Kraft.

Und die spürt man nicht nur deutlich wenn man sie handelt und sie, wie erwähnt, die Hand absichtlich "besiegen" lässt (allzu viel Schauspieltalent braucht es bei soviel Mäusestärke nämlich nicht), sondern auch beim Fressen. Meine kriegen Maiskolben locker klein (war sogar die erste Amtshandlung vom damals körperlich schwachen Freundchen unmittelbar nach der Ankunft), sie kriegen rohe Spiralnudeln locker klein, sie kriegen handelsübliche Knabberstangen locker klein... und eben auch Rattenpellets (und -Extrudate natürlich sowieso). Dennoch fahren sie auf Extrudate übrigens mehr ab, wenn sie wiedermal eins ins Wasser geworfen haben und es aufquillt.

Wenn euer Knirps bestimmte, harte Futterbestandteile also verweigert, dann wohl nicht weil er nicht kann, sondern nicht will - letzteres scheint bei dieser Art, siehe oben, generell ziemlich verbreitet.

 

 

Willst du deine Knirpsmäuse auch trainieren?

Na selbstverständlich! Als Nagetiertrainerin aus Leidenschaft interessiert mich natürlich brennend, was das kleinste Nagetiergehirn der Welt so auf dem Kästchen hat. Allerdings fehlt mir mindestens bis zum Sommer noch die Zeit dazu und ich genieße es bis dahin außerdem, mich auch mal unbehelligt zwischen sich artig selbst beschäftigenden Mäusen aufhalten- und ihnen einfach nur zusehen zu können, anstatt vor Animationsgier regelrecht überfallen zu werden.

Außerdem wird selbst dann erstmal "Grunderziehung" am Stundenplan stehen, z.B. brav auf die Briefwaage gehen. Angesichts dessen was ich bisher beobachten konnte, bin ich jedenfalls höchst optimistisch, dass die Winzlinge in der Hinsicht überraschen könnten bzw. anderen Arten dieser schlauen Gattung zumindest in nichts nachstehen.

 

 

 

Knirpsmäuse scheinen große Mäuse nicht zu fürchten

Quasi vom ersten Moment an hatte mich wie erwähnt verblüfft, dass sich zwar die viel, viel größeren, aggressiven, wehrhaften, beutetriebigen Stachelmäuse vor Knirpsmäusen fürchten, aber nicht umgekehrt! Inzwischen ist die Furcht der Stachelmäuse, sogar die von Maniamaus, eher einer Neugier gewichen (ob auf die Knirpse selbst- oder deren soviel "besseres" Futter sei dahingestellt), während die Knirpse sogar eine aufgeregte Stachelmaus nur wenige Zentimeter entfernt (durch Gitter oder Plexiglas getrennt) völlig kalt zu lassen scheint.

Womöglich ist das aber auch in der Natur der Fall! Denn in Anwesenheit zahlreicher Vielzitzenmäuse (noch einen Kopf größer als Stachelmäuse) sollen Knirpsmäuse der Literatur nach sogar besonders gut gedeihen, was man darauf zurückführt, dass die Vielzitzenmäuse für die Knirpsmäuse als eine Art natürliches Schutzschild gegen Raubtiere fungieren. Vielleicht nehmen sie ja deshalb große, gluschäugige, verfressene, pummelige Mäuse nicht als Bedrohung wahr?

 

 

Titan ist not amused - sein Kratzbaum ist weg! 

Sagte ich Knirpsmäuse wären desinteressiert an Veränderungen? Das gilt offenbar nicht für den schüchternen kleinen Titan, wenn's um seinen Katzen-Kratzbaum geht, dieses Foto spricht glaube ich Bände.

Obwohl Knirpse ihren Mäusealltag fast gänzlich am Boden verbringen, scheint ihnen dennoch sehr daran gelegen, einen "Baum" zu haben, falls sie einen brauchen, wahrscheinlich vorallem zwecks schon oben beschriebenem Fluchtverhalten. Das müsste ihrem Sicherheitsgefühl zuliebe also auch bei der Käfigeinrichtung berücksichtigt werden.

Trotzdem kenn ich keine Gnade, das versiffte alte Ding kommt weg und als Ersatz wenn sie brav sind ein "echter" Ast in ihrer Fellfarbe, gefällt ihnen vermutlich ohnehin besser.

 

 

Knirpsmäuse haben unheimlich hohes Stubenreinheitspotential

Selten dermaßen auf Reinlichkeit in jeder Hinsicht erpichte Mäuse gesehen! Nicht nur dass sie im Käfig brav an eine einzige Stelle kötteln, sie können (oder/und wollen?) wie auch oben schon erwähnt ihre Blase viel besser kontrollieren und entleeren diese nur an bestimmten Stellen - und das als Böcke.

Anstatt mich darüber zu freuen, empfinde ich auch diese Eigenschaft von Knirpsmäusen aber fast schon als quälend, denn...

 

 

Wäre sie nicht so verdammt winzig, wäre die Knirpsmaus die eierlegende Wollmilchmaus schlechthin!

Es ist so wahnsinnig schade dass es weh tut! Was man mit diesen Mäusen alles machen könnte, was man diesen hyperbraven Tierchen an Freiheiten gewähren könnte, wären sie doch nur ein paar Köpfchen größer!

Ihre gottverdammte Winzigkeit ist der einzige, "kleine" Haken den ich an Knirpsmäusen bisher ausmachen konnte, hat aber leider "große" Auswirkungen auf die möglichen Haltungs- und Umgangsweisen.

Ewig schade, was für ein Jammer! Eine Knirpsmaus in Hamsterrattengröße wäre mein ultimatives Traumhaustier.

 

 

 

So, und das lasse ich als vorläufiges Fazit hier mal so stehen, damit die Wurscht an Knirpsmauserkenntnissen nicht noch länger wird. Weiteres wird dann bei Bedarf in eigenen Artikeln besprochen.

 

 

PS: Etwas (für mich) Spannendes fällt mir nun doch noch ein, weshalb ich diese eine Beobachtung noch schnell mit rein nehme...

 

Bauen auch (Single-)Böcke Nester?

Kurz nachdem ich, wie weiter oben erwähnt, im Käfig eine Fleecedecke faltig als Untergrund ausgelegt hatte, beobachtete ich, wie der jüngere Bock Titan Heu an eine Ecke davon trug und zwischen den Falten zerschlisste. So saß er oft lange da, und das Tag für Tag. Erst dachte ich, er würde sich einen Einzel-Schlafplatz zurecht machen, oder auch eine kleine Deckung nahe der Futterstelle. Aber er schien seinen wachsenden Berg an zerschlissenem Heu für rein garnix zu nutzen, schlief weiterhin an weit davon entfernter Stelle. Zuletzt sah das Gebilde kugelförmig aus und hatte ca. 7 cm Durchmesser. Leider, leider dachte ich mir zu dem Zeitpunkt nix dabei und habe es irgendwann mit Körnerschalen und anderem Mist beim Reinigen der Decke einfach ausgeschüttelt. Seither hat Titan aber nicht, wie ich es erwartet hatte, nahtlos mit seinem Heuspliss-Hobby weitergemacht.

Da dieses Verhalten wie ich festgestellt habe sehr nach Beschreibungen des Nestbaus von Weibchen klingt, halte ich es für möglich, dass daraus tätsächlich ein Nest hätte werden sollen. Allerdings zeigen der Literatur- und Erfahrungen anderer Halter zufolge eigentlich nur weibliche Knirpsmäuse solches Nestbauverhalten - komisch also.

Ob Titan's Nest vielleicht sogar als Weibchenköder gedacht war? Dass man rumstreunende Knirpse am einfachsten mittels gemütlicher Schlafplätzchen ködern kann, haben schließlich auch Menschen schon rausgefunden, mich eingeschlossen.

 

 

Sa

24

Feb

2018

Die 4 Geschlechter der Afrikanischen Knirpsmaus

 

Schon lange vor meiner eigenen Knirpsmaushaltung (wahrscheinlich die Art Mus minutoides) war ich höchst fasziniert von einer der nämlich unzähligen, verblüffenden Besonderheiten dieser Tiere: Ihr Geschlecht wird nicht wie das der allermeisten anderen Tiere durch das Y-Chromosom bestimmt, sondern stattdessen durch ein modifiziertes X-Chromosom!

 

Während dieses außergewöhnliche Merkmal auf den meisten internationalen Haustier-Infoseiten "natürlich" zumindest erwähnt wird, besteht ausgerechnet im deutschsprachigen Raum scheinbar garkein Interesse daran, falls man überhaupt davon weiß. Das ist insofern erstaunlich, als dass hier meist versucht wird, Afrikanische Knirpsmäuse (in der Natur je nach Quelle entweder solitär oder monogam lebend - eine weitere Besonderheit!) in riesigen Gruppen zusammen zu halten und man für solche Experimente besser wissen sollte, welche weiblichen Geschlechter man überhaupt daheim hat bzw. heimzuholen gedenkt...

 

 

Von Weibchen, Superweibchen und weiblichen Böcken

Zum Verständnis später noch wichtige, kleine Auffrischung aus dem Biologieunterricht:

Das Geschlecht von Säugetieren (sowie auch das vieler anderer Tiere) wird durch ihre Geschlechtschromosomen bestimmt, welche nach den Mendel'schen Regeln vererbt werden (das mit den gelben, grünen und verschrumpelten Erbsen). Welches Geschlecht ein Säugetier hat, steht dadurch von Anfang an fest (anders als z.B. bei Schildkröten, bei welchen das Geschlecht erst durch die Temperatur des Geleges bestimmt wird).

 

Weibchen tragen zwei X-Chromosomen, sind also XX (homozygot).

Ist ein Tier hemizygot bzw. trägt ein X- und ein Y-Chromosom (XY), ist es männlich, weil ein bestimmter Abschnitt dieses Y-Chromosoms (das SRY-Gen alias "sex determining region of Y") dem Tier männliche Geschlechtsmerkmale wie Hoden usw. verpasst.

Das Geschlecht eines Tieres bestimmt somit das Y-Chromosom!

 

Die Afrikanische Knirpsmaus dagegen besitzt nicht nur 2 Geschlechtschromosomen, sondern gleich 3 verschiedene, nämlich X, X* und Y! Und dieses, weitere X*-Chromosom lässt das Tier umgekehrt verweiblichen!

Bei Afrikanischen Knirpsmäusen bestimmt also, wenn vorhanden, stattdessen das X*-Chromosom das Geschlecht!

Für Säugetiere ist das höchst ungewöhnlich, nur ganz wenige solcher Fälle (bisher nur unter Kleinnagern) sind bekannt, und selbst unter diesen wenigen ist die Knirpsmaus ein Sonderfall - später mehr dazu.

 

Durch das 3. Geschlechtschromosom sind auch mehr "Geschlechter" möglich als nur zwei (Einfärbung zur Verdeutlichung des Phänotyps):

 

1. XX - Weibchen (ganz "normale" Weibchen)

2. XX* - Weibchen ("Superweibchen")

3. X*Y - Weibchen ("weibliche Böcke")

4. XY - ganz "normale" Böcke

 

Ausgerechnet an den (primären) Geschlechtsmerkmalen - äußerlich wie innerlich - sind diese 3 weiblichen Geschlechter untereinander absolut nicht zu unterscheiden, selbst ihr Anogenitalabstand ist exakt gleich.

 

Unterscheidbar sind die weiblichen Geschlechter teils aber anhand anderer körperlicher Merkmale, sowie ihres Verhaltens!

 

"Weibliche Böcke" (X*Y) sind in Paar- oder gar Gruppenhaltung wohl am beachtenswertesten, da nämlich nicht ganz so friedliebende Schüchtis wie man es von Knirpsmädchen aufgrund ihrer zierlichen Winzigkeit erwarten würde (und im Falle der braven XX- und XX*-Weibchen auch zurecht), sondern zeigen deutlich verminderte Angst und sind ausgesprochen aggressiv und bissig.

 

Ihre vermehrten Bisse können zu allem Übel auch noch überdurchschnittlichen Schaden anrichten.

Messungen zufolge - ja, man hat das bei diesen nur wenige Gramm leichten Tierchen tatsächlich gemessen wie schon bei Rottweilern und Krokodilen! - ist nämlich auch ihre Beißkraft (teils vielfach!) höher als die aller anderen Geschlechter!

Dadurch besonders gefährdet sind natürlich (weibliche) Artgenossen. Anders als Gruppentiere wie die eng verwandten Farbmäuse, sind schließlich nicht nur männliche, sondern auch weibliche Knirpsmäuse über gleichgeschlechtliche Gesellschaft eher not amused. Und X*Y - Weibchen werden sich gewiss nicht schämen, das bei Bedarf auch zu zeigen.

 

Ursächlich für die "Monster-Beißkraft" dieser kleinen Furien ist die unterschiedliche Schädelgröße und -form von X*Y-Weibchen. Kein Witz, der Schädel dieser Tiere weist exakt die gleichen Merkmale auf wie der von Kampfhunden!

Der Kopf wirkt im Vergleich zu dem anderer Weibchen also massiger, der Nasenrücken ist kürzer und die Stirn größer und breiter (wodurch zugleich der Augenabstand größer ist).

Hierdurch lassen sich "weibliche Böcke" also auch rein optisch und ohne sie berühren zu müssen recht gut von "echten" Weibchen unterscheiden.

 

Neben dem Sozialverhalten, der Schädelform und der Beißkraft gibt es aber noch einen vierten Unterschied - und dieser ist, wie oben erwähnt, sogar innerhalb der kleinen Handvoll anderer Kleinnager mit diesem Chromosomensystem ein Kuriosum:

X*Y-Weibchen, also Weibchen mit einem männlichen Geschlechtschromosom, sind "super-fruchtbar". Sie werfen häufiger und ihre Würfe sind im Schnitt größer.

 

Auf den zweiten Blick ist das sogar noch viel erstaunlicher als es ohnehin schon am ersten Blick scheint, denn - deshalb hatte ich es einleitend erwähnt - die Geschlechtschromosomen vererben sich nach den Mendel'schen Regeln, was in dem Fall, also einem Y-Chromosom bei beiden Eltern, bedeutet dass zwangsläufig ein Viertel der Babies von X*Y- Weibchen stirbt! (Da sich lebenswichtige Gene nur am X-Chromosom befinden, sind YY-Tiere nicht lebensfähig.) Dennoch sind ihre Würfe im Schnitt größer!

 

Andere Tiere, welche als phänotypische Weibchen aufgrund eines Defekts ein Y-Chromosom tragen, sind übrigens umgekehrt sogar unfruchtbar - was ja eigentlich wenig überraschend ist. Das gilt wohlgemerkt auch für eine enge Verwandte der Knirpsmaus, unsere Farbmaus, wenngleich zumindest deren dann ebenfalls maskulines Sozialverhalten dem der Knirpsmaus ähnelt.

 

Ein Erklärungsversuch für die sogar höhere Geburtenrate von X*Y-Knirpsmäusen besteht in eben diesem, "machohaften" Sozialverhalten, genauer gesagt ihrer weit überlegenen Durchsetzungskraft und ihrer aktiven, extroviertieren Persönlichkeit, was ihr wohl mehr Paarungsgelegenheiten verschaffen dürfte.

 

Man kann bei dieser Mäuseart sogar sagen, dass normale Weibchen, also XX (und XX*) sozusagen nur ein "unerwünschtes Nebenprodukt" sind. Aufgrund dessen, dass eine Knirpsmaus nur mit "normalem" X-Chromosom phänotypisch männlich sein kann, fallen nunmal zwangsläufig immer auch "normale" Weibchen. Diese können dadurch trotz ihrer deutlichen Unterlegenheit in jeder Hinsicht zwar niemals aussterben, ihre Halbwertszeit scheint in Anwesenheit von X*Y-Weibchen allerdings eher gering zu sein, da man sie in Knirpsmaus-Populationen bisweilen garnichtmehr(!) finden kann.

 

 

Was bedeutet das für die Haustierhaltung?

Aufgrund ihrer Extrovertiertheit und ihrer reduzierten Ängstlichkeit scheinen X*Y-Weibchen - und diese machen gewöhnlich 75% aller Knirpsmausweibchen aus - theoretisch besonders gut als Haustiere geeignet.

Aus obigen Gründen sind diese Tiere aber selbstverständlich völlig ungeeignet für Großgruppen-Haltungsexperimente (deren Sinnhaftigkeit und vorallem Tierschutzkonformität ohnehin auf einem ganz anderen Blatt steht).

 

Ähnlich wie bei Mongolischen Rennmäusen, scheinen in Haustierhaltung bei den monogamen Afrikanischen Knirpsmäusen auch gleichgeschlechtliche Paare stabil und entspannt sein zu können (alles darüber kann, wie auch bei Mongolischen Rennmäusen, leicht und überaus heftig kippen).

Während Bock-Paare dennoch in "Profi"-Händen am besten aufgehoben sind, kann man Weibchen-Paare grundsätzlich auch AnfängerInnen empfehlen. Allerdings tut man gut daran, sozusagen "gegen seinen Instinkt" zu handeln und beim Züchter nicht ausgerechnet die kräftigsten Weibchen die am wenigsten Scheu zeigen zu wählen, sondern sich umgekehrt die schüchternen Schwächlinge rauszupicken!

Die mutmaßliche Verträglichkeit bzw. Integrierbarkeit von Knirpsmaus-Böcken ist dagegen, wie auch bei vielen anderen Arten (darunter Ratten), ganz einfach an der Farbe der Hoden "abzulesen" (bei Vielzitzenmäusen übrigens stattdessen im Ohr!) - je stärker pigmentiert, desto höher aktuell ihr Testosteronspiegel und umgekehrt.

 

Für die auch im Labor für Knirpsmäuse gängige Einzelhaltung, welche bei dieser Art grundsätzlich KEIN Problem darstellt, scheinen X*Y-Weibchen aufgrund ihres Wesens und Verhaltens dagegen besser geeignet als "normale" Weibchen, bzw. ähnlich gut wie Böcke.

Entgegen landläufiger Warnungen stirbt eine Knirpsmaus nicht an - vermenschlichend - "Einsamkeit", sondern sie stirbt umgekehrt, sowohl direkt als auch indirekt, an sozialem Stress in Gruppenhaltung!

(Und keine Sorge, aufgrund einer dahingehenden Besonderheit ihrer Thermoregulation sind Knirpsmäuse trotz ihrer winzigen Größe und zierlichen Gestalt auf keine mäusischen Wärmequellen angewiesen. Sogar wenn sie in der Natur bei Temperaturen um 0°C die ganze Nacht allein in einer Lebendfalle zubringen müssen, nehmen die Tiere nicht nur keinerlei Schaden, sondern fallen dabei auch nicht wie andere Mäuse in einen Torpor! Und eine dauerhafte Einzelhaltung bei 15°C erwies sich im Labor ebenfalls als völlig unproblematisch.)

 

Mögliche Haltungsstrategien, mittels derer sich (Dauer-)Nachwuchs bei gemischtgeschlechtlicher Haltung, in Anlehnung an ihre natürlichen Lebensbedingungen, vermeiden lässt - auch in der Natur pflanzen sich Knirpsmäuse schließlich nur einen (Bruch-)Teil des Jahres fort - sind derzeit bei mehreren, sachkundigen KnirpsmaushalterInnen verschiedentlich "in Arbeit". Bis dahin ist gemischtgeschlechtliche Paarhaltung, obwohl besonders artgerecht und noch dazu chromosomenunabhängig, wie auch bei anderen Mäusen für die Haustierhaltung nicht empfehlenswert.

 

Über die Kastration einer Knirpsmaus - bei Farbmäusen zur Vermeidung von Einzelhaltung üblich - hat sich meines Wissens nach noch kein(e) TierärztIn getraut - womöglich schon allein deshalb gut so, weil zweifelhaft scheint, ob und bei welchem Geschlecht kastrierte Tiere einer monogamen Art überhaupt Akzeptanz finden könnten, und für Knirpsmäuse gilt das natürlich umso mehr!

Vasektomien sind im Haustierbereich selbst bei großen Allerweltstieren wie Hunden leider noch "exotisch" und die Vorstellung einer solchen OP bei Knirpsmäusen daher eher belustigend als realistische Option.

 

Da Knirpsmäuse (wenn sie keine Jungen großziehen) nicht-ortsgebundene Streuner sind die sozusagen "jede Nacht in einem anderen Bett" schlafen, ist jedoch für jedes Haltungssystem essentiell, ansonsten schnell auftretenden "Lagerkoller" zu vermeiden. In meiner eigenen Bockhaltung löse ich das bisher mittels ganznächtlichem, großflächigem, abwechslungsreichem Auslauf, die Tiere fühlen sich so augenscheinlich pudelwohl und sind (auch) untereinander tiefenentspannt.

 

 

Was bedeutet das für die Zucht?

Das kommt ganz darauf an, welches Ziel man verfolgt. Wünscht man möglichst häufigen, zahlreichen und dabei kräftigen Nachwuchs, z.B. zwecks Futtertier-Zucht, sind X*Y-Weibchen als Zuchttiere sicherlich die ideale Wahl.

 

Legt man dagegen besonderen Wert auf massakerfreies Sozialverhalten, tut man stattdessen gut daran, das "böse" X*-Chromosom aus der Zucht zu eliminieren (aber mir zuliebe bitte nicht aussterben lassen, denn wer meinen Mäusegeschmack kennt, ahnt bestimmt längst: X*Y-Knirpsmäuse sind genau "meine Mädchen" <3 ). Der Chromosomensatz der Weibchen lässt sich durch Testverpaarungen, bzw. das Geschlechterverhältnis in deren Würfen, ermitteln [Die entsprechende Kenntnis der Mendel'schen Regeln nehme ich bei ZüchterInnen hiermit als gegeben an].

 

Da Dauervermehrung Knirpsmäusen schlecht zu bekommen scheint (HalterInnenkreisen zufolge ist ihre Fitness und Lebenserwartung dadurch drastisch reduziert) ist es übrigens empfehlenswert, den Bock noch vor der Geburt (Achtung - Knirpsmäuse tragen nur 19 Tage!) vom Weibchen zu separieren, um diesem die nötige Zuchtpause zu verschaffen. Gute Erfahrungen gibt es in internationalen Haustierkreisen damit, den Tieren dabei Sichtkontakt zueinander zu ermöglichen.

Da eine Trennung durch (Volieren-)Gitter "sogar" die verwandten, besonders sozialen Farbmäuse nachweislich mehr stresst als "nur" Sichtkontakt (und sogar mehr als komplette Isolation!), sollte man bei eventuellen, dahingehenden Versuchen das Wohlbefinden der Tiere stets gut im Auge behalten.

 

 

 

  

...So, und das wäre erstmal nur eine herausragende Besonderheit der unscheinbaren kleinen Knirpsmaus, seid auf viele weitere (teils ja schon angeschnitten) gespannt!

 

 

 

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