Tipp: Deine Webseite ohne Werbung:

Upgrade zu JimdoPro

Hinweis!

Du hast noch Fragen oder Probleme beim einloggen? Dann klick bitte hier.

So

30

Jun

2019

[Insektentraining] Kurzvorstellung meiner liebsten Trainees

 

Aus Gründen die ich zuletzt in diesem Artikel angedeutet hatte, möchte ich künftig versuchen, die öffentliche Aufmerksamkeit - insbesondere die der notorischen Nachahmer und Auch-mal-Ausprobierer - mehr auf Trainees zu lenken deren Leidensfähigkeit nicht ganz so hoch ist wie die von Mäusen und anderen Wirbeltieren.

 

In folgendem Video zeige ich euch daher zur Einstimmung einige Arten mit denen ich gern arbeite, die unheimlich viel Spaß machen und die ich auch für anfängertauglich halte.

 

Und um eure Fragen vorwegzunehmen: Ja, alle gezeigten Tiere sind völlig harmlos, nein, keines der gezeigten Tiere ist "Ungeziefer" bzw. könnte sich außerhalb eines Terrariums in der Wohnung vermehren, nein, keines dieser Tiere eignet sich als Haustier für Kinder, da Kinder widerlich sind und diese schönen Wesen gefälligst nicht mit ihren klebrigen, grobmotorischen Bratzen anzugrabschen haben!

 

Da ich meiner Erinnerung nach nicht alle Artnamen vollständig genannt habe, hier nochmal schriftlich bzw. zum Nachgoogeln:

1. Princisia vanwaerebecki ("Riesenfauchschabe")

2. Blabtica dubia ("Argentinische Waldschabe")

3. Lucihormetica verrucosa ("Leuchtschabe")

4. Oxyhaloa deusta ("Rotkopfschabe")

5. Archimandrita tesselata ("Pfefferschabe")

6. Avicularia spec. "metallica" ("Rotfußvogelspinne")

 

Und falls ihr euch, was ich mir wünschen würde, vielleicht sogar für die Haltung einer dieser Arten entscheiden wollt, wisst ihr ja nun was zu tun ist oder auch nicht wenn z.B. eure Fauchschaben mit "Parasiten" übersäht sind, und warum ihr Aussagen wie, "Was, deine Leuchtschaben leuchten nicht? Meine sehr wohl, weil ich sie viel artgerechter und natürlicher halte und ernähre als du. Hab nur im Moment kein Foto..." weise lächelnd ignorieren könnt.

 

(Sorry für meine Katastrophenfingernägel, die gezeigten Tiere sind dafür umso schöner.)

So

16

Jun

2019

Medical Training für Mäuse - Vorstellung meiner Methode

 

Mäuse sind in der Regel eher klein. Medizinische Behandlungen und das entsprechende Handling erfordern daher oft ein hohes Maß an Erfahrung und Fingerspitzengefühl - was an Labrador & Co. Routine ist, wird an der Maus schließlich zur schwierigen "Fitzelei".

Der Extremfall schlechthin ist natürlich die Knirpsmaus, die mit nur wenigen Gramm sogar zu den kleinsten Säugetieren überhaupt gehört, ein anderer die Stachelmaus, die bei zwangsweisem Festhalten plötzlich  "aus der Haut fahren" könnte - und zwar leider wortwörtlich! (Zum blanken Entsetzen der jeweiligen Tierärzte hat das so manche Stachelmaus auf dem Behandlungstisch tatsächlich schon getan!)

 

Umso unpraktischer also, wenn die Maus bei medizinischen Behandlungen noch dazu in Todesängste verfällt oder/und sich mit Händchen und Füßchen, ja Zähnchen wehrt...

 

 

Naheliegende, mäusefreundliche Lösung daher im Zeitalter von Clickertraining: Medical Training auf Basis positiver Verstärkung.

 

Dies aber ist für eher ungeübte MäusetrainerInnen mit großer Vorsicht zu genießen!

Schließlich konfrontieren wir Mäuse hier mit Unangenehmem bis Schmerzhaftem, und schon allein korrektes Timing der Marker ist hier ausgesprochen wichtig.

 

Erfahrungsgemäß fällt gerade Mäusetrainings-Neulingen das richtige Timing schon bei einfachen Clickertraining-Übungen zunächst oft überaus schwer. Kein Wunder, denn Mäuse sind so sensibel und zugleich so wuselig, dass man sowohl für punktgenaues Timing, als auch für das Verhalten einer Maus, einen gewissen "Instinkt", bzw. das hierfür erforderliche, hohe Maß an Praxiserfahrung braucht.

Selbst namhafte FilmtiertrainerInnen scheitern daher gewöhnlich schon an den vergleichsweise "deppensicheren" Farbmäusen. Es bereitet mir entsprechend gehöriges Bauchweh, AnfängerInnen ausgerechnet zu so einer heiklen Disziplin als Einstieg ins Mäusetraining zu raten, am Ende sogar noch an einem Exemplar einer nicht domestizierten Mäuseart, welches z.B. aufgrund einer frischen Verletzung bis zum Anschlag mit Stresshormonen vollgepumpt ist und sich entsprechend unkooperativ bis unberechenbar zu verhalten droht...

 

Ich habe mich in den letzten Jahren daher nach Kräften bemüht, eine möglichst simple und zugleich "sichere" Methode zu entwickeln, welche keiner Vorerfahrung im Mäusetraining bedarf.

 

Ein anderer, nicht minder komplizierter Anspruch bestand nebenbei darin, dass ein entsprechendes Training selbst in Extremsituationen wie akuten, schwersten Erkrankungen und Verletzungen noch "wirkt", oder zumindest irgendeinen Nutzen hat. Genau das ist bei anderen Methoden des Medical Training nämlich meist nicht der Fall, sie eignen sich daher eher nur für Routinemaßnahmen, z.B. Blutabnehmen, Huf- und Zahnpflege bei Zoo- und Haustieren, Impfungen und dergleichen. So beeindruckend die Trainingsergebnisse in solchen Situationen sein mögen (eine der spektakulärsten Arbeiten die ich in jüngerer Zeit gesehen habe ist beispielsweise die freiwillige Gastroskopie eines Seelöwen), so nutzlos sind diese in der Regel in einem tatsächlichen, akuten Ernstfall, also einer Situation, in welcher das Tier wahrlich andere Sorgen hat als die um ein eventuell zu verdienendes Leckerchen.

Umso mehr gilt das wiederum für unsere Mäuse, da diese, wenn sie plötzlich erkranken, oft "sehr" krank sind, man also im schlimmsten, jedoch nicht seltenen Fall eine am Vortag noch gesunde Maus plötzlich im Torpor vorfindet. Ein solches Tier kann selbstverständlich nicht mittels Leckerchen zu irgendwelchen, geschweige denn unangenehmen Übungen motiviert werden.

 

 

Das Prinzip:

  1. Die Maus signalisiert absolut unmissverständlich und auf die Sekunde genau, ab wann sie sich für eine unangenehme Maßnahme bereit fühlt, und wann diese abzubrechen ist --> besonders einfach für den Menschen.
  2. Das Signal ist für sämtliche Maßnahmen ein- und dasselbe --> besonders einfach für die Maus
  3. Das Signal kann in einem akuten Notfall bei Bedarf "erzwungen" werden, wobei das Sicherheitsgefühl der Maus bzw. ihr Vertrauen in die "Harmlosigkeit" der entsprechenden Maßnahme jedoch erhalten bleibt --> selbst in Extremsituationen von großem, mitunter lebensrettenden Nutzen.

 

Somit sind prinzipiell nicht nur keine Vorkenntnisse im Clickertraining nötig (es handelt sich hier nicht um Clicker- bzw- Markertraining!), sondern vorallem auch keine Vorkenntnisse bezüglich Mäuseverhalten, Mäusemimik usw.

 

Nach zahlreichen Tests, mit welchen ich euch nicht weiter aufhalten will, hat sich das Springen auf ein Podest als besonders geeignetes Signal erwiesen, und als besonders praktisches Podest wiederum durchsichtige, umgedrehte Plastikboxen (z.B. kleine Gefrierdosen), natürlich möglichst standfest.

Je nach Mäuseart und Situation wäre z.B. auch ein ebenerdiges Target denkbar, z.B. ein Stück Stoff, ein Bierdeckel usw., für den behandelnden Menschen gewöhnlich aber unpraktischer, insbesondere wenn man an Gliedmaßen oder gar den Bauch will.

In jedem Fall aber sollte dieses Target bzw. Podest transportabel sein, um z.B. zum Tierarzt mitgenommen werden zu können.

 

 

 

Die 14 einfachen Regeln für uns Menschen:

 

  • Es wird weder gedrängt noch gelockt. Falls erforderlich zeigen wir der Maus, welche Belohnung ihr winken würde (neben Leckerchen kann das z.B. auch Freilauf sein, hierzu könnten wir ihr etwa den Scoop zeigen, mit welchem sie gewöhnlich aus dem Käfig gehoben wird), warten dann aber passiv ab.

 

  • Hüpft die Maus auf das Podest, legen wir stets und sofort mit der Maßnahme bzw. Übung los.

 

  • Die Maßnahme ist ausnahmslos immer mehr oder weniger unangenehm, auch zu Übungszwecken!

 

  • Bei nicht-handzahmen Mäusen beginnen wir z.B. mit der leichten Berührung ihres Rückens mit einem Finger - für sie ist das allein schon mehr als unangenehm bzw. Herausforderung genug! Behutsam steigern wir die Anforderung in dem Tempo, welches uns die Maus vorgibt. 

 

  • Unsere Bewegungen und Berührungen sind ruhig, gleichförmig und bestimmt, wir sind nicht zögerlich, übervorsichtig oder zucken gar zurück.

 

  • Unmittelbar nach (nicht während!) jeder kurzen Übung bzw. Berührung erhält die Maus, noch auf dem Podest sitzend(!), ihr Leckerchen.

 

  • Wir achten zu jedem Zeitpunkt darauf, dass die Maus "freie Bahn" hat, um jederzeit sofort abspringen zu können!

 

  • Springt die Maus ab, hören wir sofort auf und geschieht das zweimal kurz nacheinander, gehen wir einen großen Schritt zurück bzw. gestalten die Maßnahme deutlich einfacher, um uns in behutsamen Schritten wieder vorzuarbeiten.

 

  • Insbesondere scheue Mäuse sollten wenn möglich die Gelegenheit erhalten, erstmal das Medical Training anderer Mäuse zu beobachten. Zur Not tut es aber auch eine Dummie-Maus.

 

  • Wir verwenden Leckerchen von so hohem Wert wie nötig, aber so geringem Wert wie möglich. In einem (schmerzhaften) Ernstfall werden wir schließlich auf soviel "Luft nach oben" bzw. Überraschungseffekt wie möglich angewiesen sein.

 

  • Wir vermeiden unbedingt Routine und Langeweile, Podesttraining sollte besser nicht zum täglichen Trainingsrepertoire gehören, sondern von der Maus als "etwas ganz Besonderes" wahrgenommen werden, zu welchem sie nicht so häufig die Gelegenheit hat.

 

  • Gerade in schwierigen "Fellen" ist Konkurrenz bzw. Futterneid beim Training hier ausnahmsweise erwünscht. Prügeln sich die Mäuse gar darum, wer als nächstes auf's Podest darf, und zwar trotz "minderwertiger" Belohnung, haben wir verdammt viel richtig gemacht!

 

  • Wir gestalten die Übungen abwechslungsreich, um möglichst viele Maßnahmen abzudecken, bzw. Körperteile die berührt, fixiert, nass gemacht, angehoben, gezwickt, langgestreckt, geöffnet, gepiekst,... werden können.

 

  • Wie beenden jede Einheit mit einer besonders einfachen Übung, welche mit einem Jackpot belohnt wird, das heißt entweder mit einer überraschend großen Menge der verwendeten Leckerchen, oder aber einem anderen, besonders wertvollen Überraschungs-Leckerchen. Sofort danach wird das Podest außer Mäusereichweite weggeräumt und die Maus hierzu gegebenenfalls runterbefördert, falls sie nicht absteigen will.

 

 

...Tja, liest sich unterm Strich nach einem verdammt schlechten Deal für die Maus, nichtwahr?

 

Dennoch werdet ihr feststellen, dass diese Form des Medical Training, ich nenne es hiermit offiziell "Podesttraining", schnell zur Lieblingsübung eurer Mäuse wird, und meiner Erfahrung nach ausgerechnet bei ansonsten nicht handzahmen Tieren!

Die absolute Berechenbarkeit und die absolute Kontrolle über die Situation bzw. das Verhalten des Menschen fasziniert vermutlich gerade solche Exemplare am meisten.

 

Podesttraining eignet sich somit auch ganz hervorragend zum Zähmen!

 

Im Übrigen wurde ich ausgerechnet beim Podesttraining von ansonsten furchtbar bissigen Mäusen nie auch nur gezwickt! Das ist hier aus Mäusesicht scheinbar nicht nötig, denn mit dem Abspringen hat sie ohnehin ein "besseres" Signal in der Mäusehand (geringerer Energieaufwand, sehr viel geringeres Verletzungsrisiko...), um "Fehlverhalten" des Menschen verlässlich und unmittelbar abzustellen.

 

Die so erfolgte, klassische Konditionierung ist auch in einem eventuellen, späteren Ernstfall von großem Nutzen!

Denn auch wenn die Maus krankheits- oder verletzungsbedingt nicht kooperieren will oder kann, wird ihr Mäusehirn beim Setzen auf das Podest entsprechend "reflexartig" reagieren (ihr erinnert euch an die Sache mit der Glocke und dem Hundesabber?), also mit der Ausschüttung von "Glückshormonen".

Es versteht sich jedoch von selbst, dass sich so eine Verknüpfung jeweils nur kurzfristig "missbrauchen" lässt, ansonsten würde es schnell zu einer Abschwächung bzw. Gegenkonditionierung kommen.

 

Und da die Maus schließlich gelernt hat, dass jetzt zwar irgendwas Unangenehmes - aber völlig Harmloses! - folgt, sind Stress oder gar die Gefahr, dass sie in Panik verfällt, auf ein absolutes Minimum reduziert.

 

Da Podesttraining vergleichsweise sehr einfach ist und in der Regel erstaunlich schnell funktioniert, kann es sich - obwohl natürlich nicht ratsam! - in weniger dringlichen bzw. schweren Fällen, wenn die Maus also noch Appetit hat, eventuell sogar rentieren, erst im "Ernstfall" überhaupt mit dem Podesttraining zu beginnen, z.B. bei nötigem Krallenschneiden, Verabreichen von Augentropfen, (Nach-)Kontrollieren von Verletzungen usw. Einen Versuch ist es jedenfalls wert!

 

Überfordern könnt ihr eure Maus mit dieser Methode nämlich nicht - schließlich "sagt" sie euch rechtzeitig und eindeutig (und zwar durch - siehe oben - zweimaliges Abspringen), wann es ihr zuviel wird. Ganz im Gegensatz zu manch anderen Methoden könnt ihr im Bedarfsfall also getrost probieren, die Anforderungen sehr zügig und großschrittig zu steigern.

 

Beachtet ihr obige Regeln konsequent (bitte auch nicht mit euch eventuell bekannten, ähnlichen Methoden des Medical Training vermischen!), könnt ihr eurer Maus selbst als AnfängerIn in keiner Weise schaden!

 

Seid also nicht zu besorgt oder gehemmt, sondern legt gleich heute los und habt dabei soviel Spaß wie eure Mäuse!

Zwar wünsche ich euch von Herzen, dass ein tatsächlicher Ernstfall bei eurer Maus niemals eintreten möge, aber wenn dann werdet ihr feststellen, wie unendlich wertvoll diese Art des Trainings für eure Maus ist.

 

 

Hier nun das Beschriebene in anschaulichen, bewegten Bildern, lehrreiche Fehler und deren Folgen inklusive: 

 

Dieses Video aus dem Jahr 2016 zeigt mein Medical Training erstmals in der "fertigen" Version, also als sogenanntes "Podesttraining", und an darin völlig unerfahrenen Mäusen. Noch verwende ich als Podest in diesem Fall aber eine umgedrehte Tasse, die noch dazu wackelt (deshalb das Kärtchen darunter). Was man bestimmt nicht vermuten würde ist dass Maniamaus zu dem Zeitpunkt ansonsten noch völlig "unberührbar" war, und natürlich genauso bissig wie sie auch heute noch ist. Deshalb bemerkt ihr vielleicht an meinen zögerlichen Berührungen, dass ich dem Braten noch nicht ganz traue. Und meine unsicheren Berührungen verunsichern wiederum Maniamaus... Außerdem bemerkt ihr, dass ich damals noch aus Gewohnheit (und unnötigerweise!) auch beim Podesttraining meinen Zungenclick nutze. Warum das, selbst bei erfahrenen ClickertrainerInnen wie mir, eine schlechte Idee ist, seht ihr dann wunderbar im nächsten Video...

 

Bei der nächsten Session wurde der Schwierigkeitsgrad eine Stufe erhöht (die Mäuse sind nichtmehr "beschriftet", das besonders "satt" gefärbte Tier ist Maniamaus), eine Spritze mit abgeschnittener (aber dennoch unangenehm pieksender) Spitze kommt ins Spiel. Dass das wortwörtlich "ins Auge" hätte gehen können, fiel mir erst bei der Betrachtung des Videos auf und sollte so natürlich vermieden werden. Wiederum bemerkt ihr, wie sich meine eigene, vorallem anfangs noch vorhandene Unsicherheit sofort auf Mania überträgt (deshalb ist Punkt 5 der obigen Regeln so wichtig!). Allerdings reagiere ich richtig als sie 2x kurz hintereinander abbricht, indem ich die Anforderung sofort deutlich runterschraube - und schon hat sie wieder Vertrauen. Die interessanteste Szene in diesem Video ist aber bei 0:50 - genau in dem Moment in dem ich clicke beißt Maniamaus zufällig in die Spritze... und glaubt für die restliche Session, klug wie sie nunmal ist, dass das erwünscht wäre. Man verzichte also auf einen sekundären Verstärker, ein solcher ist hier schlicht unnötig bis sogar kontraproduktiv.

 

(Weitere Videos werden demnächst ergänzt bzw. neu gedreht.)

 

 

Beliebte, ältere Blog-Artikel